Italien Arzt will Patientin mit Spermien ihres komatösen Mannes befruchten

Ein Kind als Trost für den Verlust ihres Mannes: Ein umstrittener italienischer Gynäkologe will eine Frau mit dem Sperma ihres dauerhaft im Koma liegenden Mannes befruchten. Der Vatikan reagiert mit Empörung.


Rom - Mit der künstlichen Befruchtung will der Arzt Severino Antinori nach eigenen Angaben "der Zeit und der Krankheit die Stirn bieten" und der Frau über "den Schmerz eines angekündigten Todes" hinweghelfen, wie es im "Corriere della Sera" hieß. Ein Gericht habe ihm die Sperma-Entnahme bei dem komatösen Ehemann erlaubt, sagte der Mediziner.

Zeitungen zufolge ist es der erste derartige Fall in Italien. Laut "La Repubblica" fiel der 35 Jahre alte Ehemann vor einem Monat wegen eines Gehirntumors in ein irreversibles Koma. Der Schicksalsschlag sei zu einem Zeitpunkt eingetroffen, als er mit seiner drei Jahre jüngeren Frau gerade Nachwuchs geplant habe.

Der Vatikan kritisierte die Befruchtungspläne. Die Sperma-Entnahme sei illegal, weil zur Zeugung die Zustimmung beider Elternteile notwendig sei, sagte Monsignore Elio Sgreccia, der Ehrenpräsident der päpstlichen Akademie für das Leben. Hier werde der Ehemann als "einfaches Zelllager" behandelt.

Der Frauenarzt Antinori machte in der Vergangenheit mehrfach Schlagzeilen, indem er Frauen weit jenseits der Menopause zu Nachwuchs verhalf. In der italienischen Presse trägt er deshalb den Beinamen "Geburtshelfer der Omas".

jdl/AFP



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