Ermittlungen in Italien Betrüger sollen mit erfundenem Antarktisstaat rund 400.000 Euro ergaunert haben

Sie fälschten Dokumente und warben mit Privilegien für die Flucht in den vermeintlichen Staat St. Georg. Mehr als 700 Interessierte zahlten – obwohl es das theokratische Paradies in der Antarktis gar nicht gibt.
Eis in der Antarktis: Einen territorialen Status hatte der vermeintliche Staat nie

Eis in der Antarktis: Einen territorialen Status hatte der vermeintliche Staat nie

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YAY Images / moodboard / IMAGO

Ausgerechnet im kalabrischen Catanzaro, einer der wärmsten Ecken Italiens, sollen mehrere Betrüger einen diplomatischen Sitz des vermeintlichen theokratischen Staats St. Georg in der kalten Antarktis erfunden haben. Als Bande sollen sie eine Reihe von Institutionen, Amtsblättern, Websites und Ausweisdokumenten geschaffen haben, um die Existenz des Staates vorzugaukeln.

Mit dieser Show sollen die Kriminellen mehr als 700 Opfer mit Wohnsitz in Italien angelockt haben, die auf ein Aussteigerleben hofften – und dafür jeweils Beträge von 200 bis 1000 Euro überwiesen, wie die italienische Polizei mitteilte . Bei einer Hausdurchsuchung im süditalienischen Catanzaro im April 2021 fiel der Schwindel schließlich auf.

Ermittlungen gegen Dutzende

Die Täter hatten laut Polizei die Interessenten umfassend eingelullt. So soll ihnen versprochen worden sein, dass es in dem vermeintlichen Land einen niedrigen Steuersatz – nur fünf Prozent – und keine Impfpflicht gebe. In mindestens zwei Fällen kam es demnach zum Verkauf von Grundstücken in der Antarktis, die mit einem angeblichen Adelstitel verbunden waren.

Insgesamt erbeuteten sie mit der Antarktis-Masche laut Polizei ungefähr 400.000 Euro. Die ergaunerte Summe soll über ein Konto in Malta gewaschen worden sein.

Die Auswanderwilligen hatten laut Polizei gehofft, auch dank ihrer Überweisungen eine Staatsbürgerschaft in dem nicht existierenden Land zu erlangen.

Tatverdächtig sind zwölf Menschen, die bei einem italienweiten Einsatz in mehreren Städten unter Hausarrest gestellt wurden. Die Justiz wirft ihnen unter anderem Betrug, Herstellung gefälschter Dokumente und Vereinigung für eine Straftat vor. Sie ermittelt außerdem gegen 30 weitere Tatverdächtige.

apr/dpa
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