Italien Brückeneinsturz von Genua – Polizei setzt Ex-Manager fest

43 Menschen starben, als im August 2018 die Morandi-Brücke in Genua einstürzte. Nun gehen Ermittler gegen sechs Manager des Autobahnbetreibers vor.
Eingestürzte Morandi-Brücke (August 2018)

Eingestürzte Morandi-Brücke (August 2018)

Foto: LUCA ZENNARO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Es geht den Ermittlern zufolge um den Verdacht des Angriffs auf die Verkehrssicherheit und des möglichen Betrugs: Mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Brückeneinsturz in der italienischen Stadt Genua ist die Polizei gegen sechs ehemalige und aktuelle Manager des Autobahnbetreibers vorgegangen.

Drei Personen seien unter Hausarrest gestellt worden, teilte die Finanzpolizei in der Hafenstadt in der Region Ligurien am Mittwoch mit. In drei Fällen seien andere juristische Einschränkungen verhängt worden, wozu etwa Tätigkeitsverbote gehören können. Betroffen seien drei ehemalige Topmanager des privaten Betreibers und drei aktuelle Führungskräfte des Unternehmens Autostrade per l'Italia.

Wie die Finanzpolizei mitteilte, sollen die Tatverdächtigen sich der Sicherheitsgefahren, die von der maroden Brückenstruktur ausgingen, bewusst gewesen sein. Dennoch hätten sie keine konsequenten und adäquaten Maßnahmen eingeleitet. Die Ermittlungen seien ein Seitenstrang der Hauptuntersuchung zum Einsturz, hieß es. Konkret gehe es um Schallschutz-Elemente. Sie hätten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden müssen, das sei verzögert worden.

Am 14. August 2018 war ein etwa 180 Meter langes Stück der Fahrbahn der Morandi-Brücke mehr als 40 Meter in die Tiefe gestürzt – und mit ihr viele Autos, Lastwagen und deren Insassen. 43 Menschen kamen ums Leben. Die Bilder des Einsturzes während eines starken Unwetters gingen um die Welt und wurden zum Symbol der maroden Infrastruktur in Italien.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehr als 70 Menschen

Hunderte Bewohner, die unter der Hochbrücke lebten, wurden obdachlos. Die Reste des Bauwerks wurden abgerissen. Die neue San-Giorgio-Brücke des Stararchitekten Renzo Piano wurde im Eiltempo errichtet und im August 2020 eröffnet. Selbst während der Coronakrise gingen die Bauarbeiten weiter.

"Mir geht es nicht nur um diese eine Brücke", sagte Piano in einem Interview mit dem SPIEGEL. "Sondern um metaphorische Brücken, die Italien jetzt braucht. Italien muss jetzt wieder zusammengebaut werden. Ich denke an Brücken und Straßen, aber auch an Schulen, Vororte, es geht ums Ausbessern, Flicken, Reparieren."

Eine Sprecherin der vom Unglück betroffenen Familien stufte das jetzige Vorgehen der Polizei als "wichtiges Signal" ein, auch wenn es nicht die Hauptermittlung sei.

Die Staatsanwaltschaft in Genua ermittelt nach eigenen Angaben seit Längerem gegen mehr als 70 Menschen, teils Beschäftigte des Autobahnbetreibers, aber auch gegen andere womöglich Verantwortliche. Es besteht der Verdacht, dass es an der Brücke Wartungsmängel und andere Schwächen gab. Die Regierung in Rom ist bemüht, die Besitzverhältnisse bei dem Unternehmen Autostrade per l'Italia zu verändern und es unter staatliche Kontrolle zu stellen.

wit/dpa

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