Italien Gericht spricht Cap-Anamur-Helfer frei

Ein sizilianisches Gericht hat den ehemaligen Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel und seinen Kapitän Stefan Schmidt freigesprochen. Die beiden hatten 37 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und nach Italien gebracht. Sie waren daraufhin wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung angeklagt worden.

Rom - Freispruch für den ehemaligen Cap-Anamur- Vorsitzenden Elias Bierdel: Nach mehrjährigen Verhandlungen hat ein Strafgericht in Agrigent auf Sizilien am Mittwoch Bierdel und seinen Ex-Kapitän Stefan Schmidt freigesprochen. Beiden Männern hatten wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung in einem besonders schweren Fall vier Jahre Haft und 400.000 Euro Bußgeld gedroht.

Die beiden Männer hatten im Sommer 2004 mit dem Hilfsschiff "Cap Anamur II" im Mittelmeer 37 Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet, das zu sinken drohte. Die Bootsflüchtlinge durften erst nach einer dreiwöchigen Irrfahrt durchs Mittelmeer in Sizilien an Land gehen. Die italienischen Behörden vertraten damals den Standpunkt, die Flüchtlinge hätten in Malta an Land gehen müssen, da sie in maltesischen Gewässern aufgegriffen worden seien.

Die Urteilsbegründung werde erst in drei Monaten veröffentlicht, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

"Urgesetz Europas"

Eine Verurteilung wäre "auf mehreren Ebenen ein katastrophales und skandalöses Zeichen", sagte der Gründer von Cap Anamur, Rupert Neudeck, vor der Entscheidung dem WDR. Die Cap-Anamur-Mitarbeiter hätten nichts weiter getan, "als das Urgesetz Europas wahrzunehmen, nämlich Menschen in Seenot aufzunehmen und sie in einen sicheren Hafen zu bringen".

Vorwürfe von Kritikern, er habe mit seiner Aktion damals ein Medienspektakel inszeniert, wies Bierdel zurück. Selbstverständlich seien Fehler gemacht worden, weil man auf die Situation nicht vorbereitet gewesen sei, sagte er im Deutschlandfunk.

So habe man etwa zu viel Zeit gebraucht, bis ein geeigneter Hafen zum Anlaufen gefunden worden sei. Dennoch habe er keinen einzigen Journalisten eingeladen oder an Bord geholt. "Sie kamen, weil sie schauen wollten, und ich bin bis heute der Meinung, dass wir das gar nicht anders machen konnten", erklärte Bierdel.

Obszöne Inszenierungsfragen

Sich angesichts der Tatsache, dass Menschen in großer Zahl an der EU-Außengrenze verschwinden, ertrinken, verdursten und von europäischen Grenztruppen abgewehrt würden, auf Inszenierungsfragen zu konzentrieren, habe er schon damals und im Rückblick erst recht obszön gefunden.

Bierdel forderte in dem Interview auch die deutsche Regierung auf, bei den Flüchtlingsdramen auf See stärker Verantwortung zu übernehmen und ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen. "Warum sollten wir nicht geradezu mustergültig für Europa zeigen, wie man menschenwürdig und professionell umgeht mit denen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen?", fragte er.

jdl/dpa/AP
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