Italien Mildes Urteil nach Vergewaltigung einer Nicht-Jungfrau

Ein Aufschrei der Empörung geht durch Italien. Das oberste Gericht des Landes hat einem Vergewaltiger mildernde Umstände zugebilligt. Die hanebüchene Begründung: Die 14-Jährige, die der Mann missbraucht hatte, war nicht mehr Jungfrau.

Rom - Die fünf männlichen Richter des Kassationsgerichtshofs befanden heute, die Schäden durch sexuelle Gewalt seien geringer, wenn das Opfer vor seiner Vergewaltigung bereits sexuellen Kontakt mit anderen Männern gehabt habe. Der Täter war im November 2001 zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er die damals 14-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin unter Androhung von Gewalt zum Oralsex gezwungen hatte.

Die Entscheidung sei wie ein "Schlag in die Magengrube", sagte Maria Gabriella Carnieri, Vorsitzende der Vereinigung "Rosa Telefon" für Frauen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden. Es sei unannehmbar, dass zweierlei Maß für ein so schweres Verbrechen angelegt würden. Schließlich können eine solche Tat das Leben einer Frau und ihrer Familie zerstören. Die Ministerin für Chancengleichheit, Stefania Prestigiacomo, nannte das Urteil "unverständlich". Zahlreiche andere Politiker kritisierten die Entscheidung der Richter als "skandalös".

Das gleiche Gericht hatte 1999 für Empörung gesorgt, als es urteilte, eine Frau in engen Jeans könne nicht vergewaltigt werden. Damals hieß es, die betroffene Frau müsse beim Ausziehen der Hose geholfen haben und habe damit dem Geschlechtsverkehr zugestimmt.

Auch ein impulsiver Klaps auf den Po hat dem Kassationsgericht zufolge nichts mit sexueller Belästigung zu tun. Das Gericht hatte im Jahr 2001 in einem Urteil einem wegen sexueller Belästigung angeklagten Manager einer Gesundheitsbehörde Recht gegeben. Po-Grabschen sei keine Belästigung, wenn es sich um einen einzelnen und impulsiven Vorfall handelt. Das Kassationsgericht verwarf ein erstinstanzliches Urteil mit der Begründung, der Angeklagte habe keine sexuelle Handlung vornehmen wollen.

ffr/AFP