Gefeuert wegen falscher Bußgelder Übereifriger italienischer Schaffner darf wieder arbeiten

Kein anderer Kontrolleur verhängte so viele Bußgelder wie Francesco Bonanno, nach Beschwerden von Fahrgästen wurde er entlassen. Dagegen klagte er. Ein Gericht entschied nun, der Mann habe »nur seinen Job gemacht«.
Schnellbahnstrecke des italienischen Eisenbahnunternehmens Trenitalia

Schnellbahnstrecke des italienischen Eisenbahnunternehmens Trenitalia

Foto: Arnulf Hettrich / Fnoxx / IMAGO

Der italienische Schaffner Francesco Bonanno wurde 2017 vom Eisenbahnverkehrsunternehmen Trenitalia gefeuert, weil er unrechtmäßig Bußgelder verhängt haben soll – nun muss er wieder eingestellt werden. Das hat der Oberste Gerichtshof in Italien entschieden, wie unter anderem der britische »Guardian«  berichtet. Bonanno habe nur seinen Job gemacht, wenn auch »auf äußerst sorgfältige Weise«, urteilte das Gericht.

Gegen den Fahrkartenkontrolleur hatte es eine Reihe von Beschwerden von unzufriedenen Kunden gegeben, Trenitalia sah sich gezwungen, Bußgelder in Höhe von etwa 10.000 Euro zurückzuerstatten. Bonanno hatte Fahrgäste mit Geldbußen belegt, weil sie ohne Fahrkarte in einen Zug eingestiegen waren, ihre Karten nicht rechtzeitig abgestempelt hatten oder auf falschen Strecken gefahren waren. Insgesamt habe er 175 Fehler begangen, berichtet die italienische Zeitung »Corriere della Sera«.

Gericht: Schaffner mit »ungemeinem Eifer«

Bonanno hatte gegen seine Kündigung geklagt und vor Gericht erklärt, die Verstöße würden nur 3,5 Prozent der Bußgelder ausmachen, die er in den zwei Jahren vor seiner Entlassung verhängt habe. Der 61-Jährige hatte den Berichten zufolge 5000 Bußgelder verhängt – ein Rekordwert.

Das Gericht beschrieb Bonanno als einen Fahrkartenkontrolleur, der mit »ungemeinem Eifer« arbeite, und »unflexibel und äußerst penibel bei der Erhebung von Bußgeldern« sei. Die falschen Bußgelder habe Bonanno aber nicht »aus reinem Gewinnzweck oder in böser Absicht gegen das Unternehmen« verhängt, die Fehler seien vielmehr eine »indirekte Folge übermäßigen Eifers«.

Der Schaffner berichtete der Zeitung »Corriere della Sera«, Trenitalia habe ihn schon vor einigen Jahren »wieder eingestellt, ohne mich wieder einzustellen: Ich blieb anderthalb Jahre zu Hause und erhielt mein Gehalt, ohne zu arbeiten. Für mich war das keine Frage des Geldes: Ich wollte wieder meine Uniform tragen. Ich liebe diesen Job.«

Bonannos Anwalt Lucio Spampatti sagte, er habe noch nie erlebt, dass ein Mitarbeiter entlassen werde, weil er zu viel arbeitet. »Die Rede ist von einem Zugbegleiter, der dem Unternehmen mehr als 200.000 Euro durch das Auffinden von Fahrgästen ohne Fahrkarte einbrachte.«

Laut »Corriere della Sera« sagte Bonanno: »Ich bin kein Kopfgeldjäger, aber bei der Arbeit braucht man Strenge und ich muss sicherstellen, dass alle Passagiere mit einem gültigen Ticket reisen.« Er sei nicht autoritär oder ein Tyrann. »Die Passagiere lieben mich.«

ktz