Kaserne in Bückeburg Suche nach Vergewaltiger von Soldatin

Ein Unbekannter hat in einer Kaserne im niedersächsischen Bückeburg eine Soldatin vergewaltigt, gefesselt und in einen Spind gesperrt. Die Unteroffizierin wird psychologisch betreut. Polizei und Feldjäger fahnden nach dem Täter.
Die Jägerkaserne in Bückeburg: "So schnell wie möglich aufgeklärt wird"

Die Jägerkaserne in Bückeburg: "So schnell wie möglich aufgeklärt wird"

Foto: dapd

Hamburg - Die Bundeswehr spricht von einem einmaligen Fall. Eine junge Soldatin der Bückeburger Heeresfliegerwaffenschule wurde am Sonntag zwischen 18.30 und 19.30 Uhr von einem unbekannten Mann überfallen. Nach Informationen der "Schaumburger Nachrichten"  soll sich die Tat im Block A der Kaserne, in dem Offiziers- und Unteroffiziersanwärter ausgebildet werden, ereignet haben.

Der Täter hat die Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bückeburg vergewaltigt. Anschließend soll er die Unteroffizierin geknebelt und gefesselt in einen Spind gesperrt haben. Angeblich hat er ihr ein Mobiltelefon dazugelegt, damit sie Hilfe rufen konnte. Ob das angesichts der Fesselung möglich war, ist jedoch unklar. Über die Umstände ihrer Befreiung geben die Ermittler ebenso wenig Auskunft wie zu den genauen Tatumständen.

Nach dem Täter werde intensiv gesucht, sagte Oberstleutnant Andreas Kühn vom Heeresamt in Köln. Auch die Feldjäger seien eingeschaltet. "Noch ist völlig unklar, ob der Täter ein Soldat ist." Das Opfer und seine Kameraden aus dem direkten Umfeld werden psychologisch betreut.

Ein vergleichbarer Überfall auf eine Soldatin sei ihm nicht bekannt, sagte Kühn merkbar entsetzt. Mit Soldaten aus dem Bekanntenkreis der Frau würden Gespräche geführt.

"Gesichert wie alle Kasernen"

Die Betroffenheit der Soldaten in der Kaserne sei groß, erklärte Oberstleutnant Michael Baumgärtner, Sprecher der Heeresfliegerwaffenschule. "Jeder hofft, dass das so schnell wie möglich aufgeklärt wird."

Dies geschehe unter "unter Hochdruck", sagte Klaus Jochen Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg. Man könne nicht ausschließen, dass möglicherweise jemand von außen in die Kaserne eingedrungen sei. Allerdings sei das Gelände gesichert, "wie alle Kasernen gesichert sind", so Oberstleutnant Baumgärtner.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, will den Vorfall überprüfen. Ob er dann aktiv werde, sei aber noch unklar, sagte sein Sprecher. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei gingen vor.

Im Jahresbericht des Wehrbeauftragten für das Jahr 2011 heißt es lediglich, dass "frauenfeindliches Verhalten, entsprechende Bemerkungen durch Kameraden oder Vorgesetzte oder sexuelle Belästigung vereinzelt berichtet" worden sei.

In der Jägerkaserne, seit 1959 in Bückeburg ansässig, sind nach Bundeswehrangaben etwa 500 bis 600 Soldaten untergebracht, darunter nur fünf bis sechs Frauen. Die Heeresfliegerwaffenschule ist eine von sechs Dienststellen.

Nach der Tat wurde die Kaserne großräumig abgesperrt, Soldaten durften das Gelände nicht verlassen, Videos von Überwachungskameras werden inzwischen ausgewertet. Auch die elektronische Zufahrtskontrolle zur Jägerkaserne könnte Hinweise auf den Täter geben - vor allem, wenn es sich um einen Zivilbeschäftigten handelt.

jjc
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