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26. März 2009, 23:35 Uhr

Jagd auf das Phantom

Österreichische Polizei zog Wattestäbchen schon vor Wochen ein

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Aufregung über das angebliche "Phantom von Heilbronn": Haben verunreinigte Wattestäbchen mit DNA-Spuren einer Fabrikarbeiterin einen der größten Ermittlungsfälle der vergangenen Jahre ausgelöst? Jetzt kommt heraus, dass Polizisten in Österreich schon seit längerem einen Verdacht hatten. Und reagierten.

Hamburg - Es war dieser Tote in der Disco, der die österreichischen Ermittler schließlich stutzig werden ließ. Am 28. September 2008 starb in Linz ein 21-jähriger Bosnier - fünf Männer hatten ihn im Treppenhaus eines Tanzlokals bei einer Prügelei tödlich verletzt. Auf dem Finger des Opfers fanden Kriminaltechniker wenig später die DNA der in Deutschland gesuchten Serienkriminellen, die sie alle nur "das Phantom von Heilbronn" nennen.

Seit Jahren suchten Dutzende Beamte in mehreren Ländern mit größtem Aufwand diese "unbekannte weibliche Person", die im Verdacht stand, seit Mai 1993 an zahlreichen Diebstählen und Einbrüchen, einem Raubüberfall sowie mindestens zwei versuchten und drei tatsächlich erfolgten Morden beteiligt gewesen zu sein - darunter auch an der Erschießung der Polizistin Michèle Kiesewetter, 22, vor knapp zwei Jahren in Heilbronn.

Doch die Kriminalisten in Linz, so sehr sie sich auch mühten, konnten keine Verbindung zu einer Frau feststellen. Weder die festgenommenen Tatverdächtigen noch die Bekannten ihres Opfers konnten erklären, wie die DNA-Spur an den Finger des Mannes gekommen war.

"Für uns entstand daraus der begründete Verdacht, es nicht mit einer unbekannten Frau, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach mit kontaminierten Werkzeugen zu tun zu haben", sagte der Pressesprecher des österreichischen Bundeskriminalamts, Gerald Tatzgern, SPIEGEL ONLINE.

Große Verwirrung

Die Gen-Spur der Gesuchten war in Österreich von 2004 bis 2007 bei insgesamt 16 Diebstählen aufgetaucht, in acht Fällen konnten die Täter gefasst werden. Die "Kronen"-Zeitung hatte noch im November 2008 berichtet, in Klagenfurt sei ein mit internationalem Haftbefehl gesuchter Kaukasier festgenommen worden, bei dem die Ermittler die weibliche DNA der Unbekannten gefunden hätten. Seinerzeit sei eine zweite Probe angeordnet worden. Die Verwirrung war wohl groß.

Anfang 2009 hätten die österreichischen Behörden dann, so sagt es der BKA-Sprecher Tatzgern, "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen", dass es das "Phantom" tatsächlich gibt. Gleichzeitig habe man die Wattestäbchen, die von der Firma Greiner Bio-One International AG vertrieben worden seien, als verunreinigte Spurenträger identifiziert.

Es sei daher veranlasst worden, sämtliche Stäbchen des Herstellers, die in den österreichischen Sicherheitsbehörden im Umlauf gewesen seien, sofort aus dem Verkehr zu ziehen. "Die Delikte waren auch so unterschiedlich, die konnten nichts miteinander zu tun haben", sagte Tatzgern.

Möglichkeit einer verunreinigten DNA-Spur

Die Greiner Bio-One International AG teilte am Donnerstagabend offiziell mit, dass die Abstrichbestecke nicht für die DNA-Analytik zertifiziert seien. Die Wattestäbchen würden sterilisiert, doch "mögliche vorhandene DNA-Verunreinigungen menschlichen oder tierischen Ursprungs können durch eine Sterilisation nicht beseitigt werden".

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg prüft nach Angaben der Heilbronner Staatsanwaltschaft seit April 2008 intensiv die Möglichkeit einer verunreinigten DNA-Spur. Im Kriminaltechnischen Institut des LKA in Stuttgart seien seither bereits mehrere hundert unbenutzte Wattestäbchen als sogenannte Leerproben untersucht worden. Ohne Ergebnis. Dennoch werde der Hypothese seit Februar verstärkt nachgegangen, hieß es.

An der Existenz der Täterin gibt es auch nach Angaben der Saarbrücker Staatsanwaltschaft "begründete Zweifel". Sie seien entstanden, als die Identität einer im Forbach entdeckten, verbrannten Leiche geklärt werden sollte, sagte Behördensprecher Ernst Meiners. Man habe prüfen wollen, ob es sich bei dem Toten um einen im Jahr 2002 verschwundenen Asylbewerber gehandelt habe. Die Untersuchung des Fingerabdrucks in der Ausländerakte des Mannes auf DNA-Material habe am 19. März 2009 eine Übereinstimmung mit den Erbinformationen der Unbekannten ergeben. "Das konnte einfach nicht sein", so Meiners.

Der Fingerabdruckbogen des Asylbewerbers habe außerdem längere Zeit in einer Akte gelegen. Mit einem "garantiert DNA-freien" Wattestäbchen sei dann ein Gegentest gemacht worden. Das Ergebnis: "Plötzlich war die DNA des 'Phantoms' nicht mehr da", sagte Meiners. "Das ließ ja zumindest den begründeten Schluss zu: Das Untersuchungsmaterial ist irgendwie nicht in Ordnung."

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