Wegen Drohungen Kino-Attentäter wurde offenbar von Uni verwiesen

Im Fall des mutmaßlichen Todesschützen von Aurora hat die Staatsanwaltschaft überraschende Erkenntnisse preisgegeben: Der 24-Jährige wurde demnach Wochen vor der Bluttat von der University of Colorado verbannt - weil er Drohungen ausgesprochen haben soll.


Washington - Die Universität von Colorado hat James Holmes offenbar mehrere Wochen vor dem Blutbad in einem Kino verbannt. Der mutmaßliche Attentäter von Aurora sei im Juni wegen Drohungen von der Uni verwiesen worden. Das hat die Staatsanwaltschaft nach Angaben der "Denver Post" und der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag bei einer gerichtlichen Anhörung in Centennial enthüllt. Die Universität bestritt diese Darstellung.

Dem 24-jährigen Holmes wird vorgeworfen, bei dem Attentat während einer Mitternachtspremiere des neuen "Batman"-Films am 20. Juli in Aurora zwölf Menschen getötet zu haben. Fast 60 weitere wurden verletzt.

Laut der Zeitung bestätigten die Anklagevertreter, dass die Leitung der Universität auch die Polizei über die Drohungen informierte und Holmes die Schlüsselkarte entzog, die ihm den Zugang zum Campus der medizinischen Fakultät ermöglicht hatte. Dort hatte Holmes Neurowissenschaften studiert. Die Universität sei ungefähr zu der Zeit aktiv geworden, als der junge Mann bei einer wichtigen mündlichen Prüfung durchgefallen sei, hieß es weiter. Die Prüfung habe am 7. Juni stattgefunden, etwa sechs Wochen vor dem Attentat.

Ankläger wollen Notizbuch einsehen

Die Staatsanwälte enthüllten laut "Denver Post" diese Details zur Untermauerung eines Antrags auf Einsicht in zahlreiche Universitätsunterlagen, darunter Prüfungsergebnisse. Sie erhoffen sich dadurch Einblicke in das Tatmotiv.

Eine Universitätssprecherin dementierte, das Holmes vom Campus verwiesen worden sei. Sie bestätigte aber, dass der 24-Jährige auf einen kriminellen Hintergrund überprüft worden sei. Staatsanwältin Karen Pearson erläuterte nicht, welche Drohungen Holmes genau ausgesprochen haben soll. Auch die Quelle ihrer Informationen ließ sie offen.

In einer weiteren Anhörung am 30. August wollen die Ankläger erreichen, dass sie ein Notizbuch einsehen dürfen, das Holmes nur Tage vor dem Amoklauf seiner Psychiaterin geschickt haben soll. Die Verteidigung ist aber strikt dagegen und verweist dabei auf den Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patienten.

Die frühere Psychiaterin von Holmes hatte Anfang August der Universität vorgeworfen, nicht auf ihre Warnungen reagiert zu haben. Lynne Fenton hatte demnach Anfang Juni ein Team zur Einschätzung von Gefahren an der Universität von Colorado darüber informiert, dass der Geisteszustand des 24-Jährigen äußerst auffällig sei. Trotz der Beunruhigung der Ärztin habe die Universität nichts unternommen, da sie davon ausgegangen sei, dass Holmes zu diesem Zeitpunkt bereits sein Studium abbrechen wollte, schrieb die "Denver Post" damals.

wit/dpa/AP

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