Aurora Kino-Mörder soll Tat monatelang geplant haben

Er hatte Berge von Munition und tüftelte teuflische Sprengfallen aus. Die Polizei geht davon aus, dass der mutmaßliche Kino-Mörder James Holmes die Tat in Aurora lange im Voraus plante. Der 24-Jährige habe seit Monaten Lieferungen von Kugeln und gefährlichen Stoffen erhalten.

AFP

Hamburg - Sie tasteten sich mit äußerster Vorsicht voran, näherten sich über einen Kran dem Fenster der Wohnung, setzten auch einen Roboter ein: Nun haben die Ermittler alle Sprengfallen in der Wohnung des mutmaßlichen Kino-Mörders von Aurora entschärft. Im Apartment von James Holmes fand die Polizei nach eigenen Angaben Indizien dafür, dass der 24-Jährige die Tat seit langem geplant haben könnte.

"Wir haben herausgefunden, dass der Verdächtige in den vergangenen vier Monaten viele Lieferungen erhalten hat - bei seiner Arbeit und seiner Privatadresse", sagte Auroras Polizeichef Dan Oates. Das liefere einen Erklärungsansatz, wie der junge Mann so viel Munition in seine Hände bekommen habe und woher das Material in seiner Wohnung stammen könnte. "Was wir hier sehen, ist der Beweis für eine gewisse Berechnung und Überlegung", so Oates.

Ein schwer bewaffneter junger Mann mit Gasmaske hatte in der Nacht auf Freitag bei einer Premiere des neuen "Batman"-Films zwölf Menschen erschossen und Dutzende verletzt. Kurz nach dem Angriff ließ sich James Holmes auf einem Parkplatz hinter dem Kino festnehmen. Die Polizei fand bei ihm mehrere Waffen, er erzählte den Ermittlern auch von Sprengstoff in seiner Wohnung.

In dem Apartment fanden die Beamten ein ausgeklügeltes System von Sprengfallen. Ein Roboter ließ einen Sprengsatz kontrolliert detonieren. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Ermittler, es seien insgesamt rund 30 Sprengsätze entdeckt worden, die mit Drähten mit einem Schaltkasten in der Küche verbunden gewesen seien. Zudem hätten sich in der Wohnung zwei Behälter mit explosiven Flüssigkeiten und eine große Menge scharfer Munition befunden. "Diese Wohnung war konzipiert, jeden zu töten, der sie betritt", sagte Oates.

Holmes sitzt in Isolationshaft

Ein Sprengstoffexperte erklärte gar, hätten alle Sprengsätze wie geplant gezündet, hätte das gesamte Haus zerstört werden können. Insgesamt wurden fünf Gebäude evakuiert. Am Samstagabend konnten die Bewohner alle zurück in ihre Wohnungen - nur die nicht, die in einem Haus mit Holmes lebten. In dessen Wohnung suchte die Polizei weiter nach Beweisen.

Früheren Polizeiangaben zufolge hatte Holmes via Internet 6000 Schuss Munition bestellt. Seine Waffen hatte er während der vergangenen zwei Monate in drei Waffenläden legal erworben.

Holmes war bis vor kurzem an der University of Colorado in Denver eingeschrieben. Er widmete sich der Neurowissenschaft und galt als sehr intelligent, bekam auch ein Stipendium einer staatlichen medizinischen Forschungsstätte. Früherer Weggefährten beschreiben ihn als nett, aber auch zurückhaltend. Er sei eher ein Einzelgänger gewesen.

Nun sitzt Holmes in Isolationshaft. Über seine Motive herrscht nach wie vor Unklarheit. Im Netz tauchten Bilder auf, die ihn mit rotgefärbten Haaren zeigen sollen. Ermittlern zufolge soll Holmes gesagt haben, er sei der Joker, Batmans schlimmster Gegner. Hierfür gibt es aber bisher keine offizielle Bestätigung. Der mutmaßliche Täter soll am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden.

hut/AP/Reuters

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Krokodilsträne 22.07.2012
1. sechsjähriges Mädchen unter den Opfern
Nun ja, ein derart technisch ausgetueftelter Anschlag ist keine Spontanhandlung. Ich frage mich eher, was ein sechsjähriges Mädchen in diesem Film ab 12 J. um Mitternacht zu suchen hatte. Es musste die grenzenlose Dummheit seiner Mutter mit dem Leben bezahlen. Der Kinobetreiber muss für seine laxe Kassenkontrolle bestraft werden.
peterbruells, 22.07.2012
2.
Zitat von KrokodilsträneNun ja, ein derart technisch ausgetueftelter Anschlag ist keine Spontanhandlung. Ich frage mich eher, was ein sechsjähriges Mädchen in diesem Film ab 12 J. um Mitternacht zu suchen hatte. Es musste die grenzenlose Dummheit seiner Mutter mit dem Leben bezahlen. Der Kinobetreiber muss für seine laxe Kassenkontrolle bestraft werden.
Die Ratings in den USA haben nicht die gleiche Verbindlichkeit wie die FSK hierzulande.Nur bei NC-17 wird das m.W. etwas anders gehandhabt. Wenn die Eltern entscheiden, dass ihr Kind reif genug ist, um in den Film mitzugehen, dann hat da niemand reinzureden.
n01 22.07.2012
3. Lebenslänglich , mindestens.
Zitat von sysopAFPEr hatte Berge von Munition und tüftelte teuflische Sprengfallen aus. Die Polizei geht davon aus, dass der mutmaßliche Kino-Mörder James Holmes die Tat in Aurora lange im Voraus plante. Der 24-Jährige habe seit Monaten Lieferungen von Kugeln und gefährlichen Stoffen erhalten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,845733,00.html
Ich hoffe, der Typ bekommt lebenslänglich, es ist unglaublich, was in manchen Köpfen vorgeht. Normal ist der nicht. In diesem Fall wäre es wirklich gut gewesen, die Kinobesucher hätten Waffen bei sich gehabt. Anderseits ist es gerade deswegen, weil in Amerika jeder Waffen haben darf, so etwas wohl erst möglich. Aber so Menschen gibt es ja auch hier, siehe Breivik.
cre2850ech 22.07.2012
4.
Zitat von KrokodilsträneNun ja, ein derart technisch ausgetueftelter Anschlag ist keine Spontanhandlung. Ich frage mich eher, was ein sechsjähriges Mädchen in diesem Film ab 12 J. um Mitternacht zu suchen hatte. Es musste die grenzenlose Dummheit seiner Mutter mit dem Leben bezahlen. Der Kinobetreiber muss für seine laxe Kassenkontrolle bestraft werden.
Ich habe selten so einen grenzenlos dummen Kommentar gelesen. Die Kinder dürfen in begleitung der Eltern auch in Filme ab 12 J. ausserdem ist es schon ein Ding deswegen zu sagen, die Mutter wäre Schuld am Tod ihrer Tochter.
Ylex 22.07.2012
5. Strange durchgeknallt
Zitat: "In dem Apartment fanden die Beamten ein ausgeklügeltes System von Sprengfallen." Monatelange Vorbereitung, ein ausgeklügeltes System von Sprengfallen in der Wohnung. Da liegt wieder ein spezielles Irresein vor, es wirkt sogar professionell - "der Joker des Grauens" - kein politisch motivierter Wahnsinn, aber der hochintelligente junge Mann erinnert mich trotzdem irgendwie an Breivik: strange durchgeknallt.
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