US-Finanzberater FBI ermittelt nach Epsteins Tod in Gefängniszelle

US-Multimillionär Jeffrey Epstein soll Minderjährige missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Jetzt wurde er tot in seiner Gefängniszelle gefunden - FBI und Justizministerium ermitteln.

Jeffrey Epstein starb im Metropolitan Correctional Center in New York
Don Emmert / AFP

Jeffrey Epstein starb im Metropolitan Correctional Center in New York


Der des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigte US-Multimillionär Jeffrey Epstein wurde am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr tot in seiner New Yorker Gefängniszelle entdeckt. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte das Gefängnis in Manhattan mit. Dort sei er für tot erklärt worden. Nach Angaben des US-Justizministeriums ist die Todesursache offenbar Suizid. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf.

Epstein, der mit zahlreichen berühmten Politikern und Stars befreundet war, soll zwischen 2002 und 2005 Dutzende teils minderjährige Mädchen in seinen Häusern in New York und Florida sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben.

Im Falle einer Verurteilung hätten ihm bis zu 45 Jahre Haft gedroht. Der Prozess gegen ihn sollte frühestens im Juni kommenden Jahres beginnen. Epstein hatte die Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen.

Bereits Ende Juli verletzt in seiner Zelle gefunden

Der 66-Jährige war schon Ende Juli verletzt in seiner Zelle gefunden worden. Ermittlern zufolge versuchte er offenbar bereits damals, Suizid zu begehen. Sein mutmaßlicher Suizid in einer als Hochsicherheitsgefängnis geltenden Anstalt mitten in Manhattan wirft Fragen auf.

US-Justizminister William Barr sagte, er sei erschüttert. Man müsse jetzt herausfinden, wie es zu Epsteins Tod in der Haftanstalt kommen konnte. Zusätzlich zum FBI soll auch der Generalinspekteur des Justizministeriums zu dieser Frage ermitteln.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sehen im Metropolitan Correctional Center Wärter eigentlich alle 30 Minuten nach den Insassen. Gilt jemand als suizidgefährdet, verkürzt sich die Zeit sogar auf 15 Minuten. Wann und wie oft die Wärter in der Nacht zum Samstag nach Epstein sahen, muss nun geklärt werden.

Vernetzt mit Trump, Clinton, Prinz Andrew

Der Ex-Investmentbanker war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen nur entgangen, weil er einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Er bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab - teils unter gelockerten Bedingungen. Dieser Regelung hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, zugestimmt - nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein war er von seinem aktuellen Amt als US-Arbeitsminister zurückgetreten.

Jeffrey Epstein
US ATTORNEY SDNY/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Jeffrey Epstein

Epstein galt als unter Politikern und Prominenten als extrem gut vernetzt. Er zählte früher unter anderem Ex-Präsident Bill Clinton, Prinz Andrew und den heutigen US-Präsidenten Donald Trump zu seinen Freunden. Trump hatte Epstein 2002 im "New York Magazine" als "großartigen Typen" bezeichnet. "Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte", sagte Trump damals. Später distanzierte er sich von Epstein.

Nach Epsteins Festnahme entschied ein Richter in Manhattan im Juli, dass Epstein bis zum Beginn seines Prozesses im Gefängnis bleiben müsse, weil er eine "Gefahr für andere und die Gemeinschaft" sei. Die Staatsanwalt hatte vorher ins Feld geführt, die Fluchtgefahr sei sehr hoch. Epstein besaß zahlreiche Anwesen weltweit und ein eigenes Flugzeug. Epsteins Verteidigung hatte dagegen gefordert, den Unternehmer für eine hohe Kaution im zweistelligen Millionenbereich in seinem Anwesen nahe dem Central Park in Manhattan unter Hausarrest zu stellen.

Das New Yorker Gefängnis, in dem Epstein saß, gilt als eines der sichersten der USA. Der berüchtigte mexikanische Drogenbaron Joaquín "El Chapo" Guzmán hatte dort zwei Jahre verbracht, bevor er im vergangenen Monat in ein Hochsicherheitsgefängnis in Colorado verlegt wurde.

wbr/AFP/dpa/rtr

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