Skandal um Uni-Zuwendungen von Epstein Dankesbrief an den Sexualstraftäter

Harvard erhielt fast neun Millionen Dollar, das MIT verschickte ein Dankesschreiben: Über die Verbindungen Jeffrey Epsteins zu Eliteunis werden neue Details bekannt - sie werfen kein gutes Licht auf die Institute.

Campus des Massachusetts Institute of Technology: Das Geld nahm man gern
Charles Krupa/ AP

Campus des Massachusetts Institute of Technology: Das Geld nahm man gern


Der Skandal um die engen Verbindungen des verstorbenen Multimillionärs Jeffrey Epstein zu US-Eliteuniversitäten zieht weiter Kreise. Der Präsident des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) räumte nun ein, dem verurteilten Sexualstraftäter für finanzielle Zuwendungen offiziell gedankt zu haben.

Rafael Reif teilte auf der Website der Universität mit, er sei von Anwälten, die die Verwicklungen des MIT in dem Fall untersuchten, auf ein von ihm unterschriebenes Dankesschreiben an Epstein hingewiesen worden. "Ich habe offensichtlich diesen Brief am 16. August 2012 unterschrieben, etwa sechs Wochen nach Beginn meiner Leitung", erklärte Reif.

Die Spende erfolgte vier Jahre nach der Verurteilung Epsteins. Der Investmentbanker war 2008 wegen der Prostitution junger Frauen zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde seitdem als Sexualverbrecher geführt. Er soll jahrelang minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben.

Nach einer erneuten Festnahme wegen schwerwiegender Missbrauchsvorwürfe wurde der 66-Jährige Anfang August tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach Angaben des US-Justizministeriums nahm er sich das Leben. Bei einer Verurteilung hätten dem Millionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht. (Mehr über den Fall lesen Sie hier.)

Mehrere Angestellte der MIT-Verwaltung hätten von Spenden gewusst, die Epstein der Universität zwischen 2013 und 2017 habe zukommen lassen, erklärte Reif in dem Brief. Sie hätten den - inzwischen zurückgetretenen - Direktor des Forschungsinstituts Media Lab, Joi Ito, gebeten sicherzustellen, dass der Spender anonym bleibe, damit Epstein diese nicht zur Wiederherstellung seines Rufs nutzen könne.

MIT-Präsident Rafael Reif hatte bereits im August "voller Scham und Schmerz" publik gemacht, die Universität habe insgesamt etwa 800.000 Dollar von Epstein erhalten und so geholfen, von seinen Taten abzulenken: "Keine Entschuldigung kann das wiedergutmachen."

Epstein suchte die Nähe von Wissenschaftlern und Akademikern, die offenkundig aus Eigennutz über seine Biografie hinwegsahen. Von diesem mit vielen Millionen Dollar unterhaltenen Netzwerk profitierten auch andere Bildungs- und Forschungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten.

Campus der Harvard University
Getty Images

Campus der Harvard University

Zu den größten Profiteuren zählt offenbar die Universität Harvard. Deren Präsident Lawrence Bacow machte nun öffentlich, dass die Eliteinstitution zwischen 1998 und 2007 insgesamt etwa neun Millionen Dollar von Epstein erhalten habe. (Hier erfahren Sie mehr über die Verbindungen Epsteins zu Eliteuniversitäten.)

Sämtliche noch nicht ausgegebenen Beträge würden für Opfer von Sexualstraftaten gespendet, sagte Bacow - es handele sich dabei um 186.000 Dollar. Die Verbindungen Epsteins zu Harvard und anderen Universitäten sei ein Grund für "erhebliche Bedenken", sagte Bacow weiter. Er versicherte zugleich, dass ein Spendenangebot nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 abgelehnt worden sei.

mxw/AFP/AP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.