Gestorbener US-Unternehmer Pariser Staatsanwaltschaft leitet in Epstein-Affäre Ermittlungen ein

"Potenzielle Verbrechen gegen französische Opfer": Die Pariser Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit dem Fall Jeffrey Epstein. Der US-Milliardär und mutmaßliche Sexualstraftäter hatte Verbindungen nach Frankreich - vor allem zu einem Mann.

Der Pariser Staatsanwalt Remy Heitz (Archivbild): "Potenzielle Verbrechen gegen französische Opfer"
REUTERS

Der Pariser Staatsanwalt Remy Heitz (Archivbild): "Potenzielle Verbrechen gegen französische Opfer"


Die Affäre um den verstorbenen Unternehmer Jeffrey Epstein erreicht die französische Justiz. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, dabei sollen mögliche Vergehen gegen teils minderjährige Mädchen untersucht werden, teilte die Behörde mit. Es geht demnach unter anderem um Missbrauch und den Vorwurf der "kriminellen Verschwörung zur Begehung von Straftaten".

Epstein wurde von der Staatsanwaltschaft in New York vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Anfang August beging Epstein in seiner Zelle Suizid (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen).

Die Ermittlungen in Paris konzentrierten sich auf "potenzielle Verbrechen gegen französische Opfer, auf nationalem Gebiet ebenso wie im Ausland, und auf Verdächtige, die französische Staatsbürger sind", führte Staatsanwalt Remy Heitz aus. Die Entscheidung, Ermittlungen einzuleiten, basiere auf Informationen, die direkt an Staatsanwälte übermittelt worden seien, und einem Austausch mit US-Behörden.

Die französische Opferschutzorganisation Innocence en Danger (Unschuld in Gefahr) hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sie mehrere Zeugenaussagen über Missbrauchsfälle gesammelt und an die Justizbehörden in Frankreich und den USA weitergeleitet habe. Die Organisation erklärte unter Berufung auf das FBI, dass Menschen mit französischer Staatsbürgerschaft in den Fall verwickelt seien.

Verbindungen nach Frankreich

Epstein hatte zahlreiche persönliche Verbindungen zu Frankreich. Er besaß ein Luxusapartment nahe dem Pariser Boulevard Champs-Élysées. Einer von Epsteins engen Vertrauten war der einst einflussreiche französische Modelscout Jean-Luc Brunel. In Gerichtsdokumenten wird diesem Vergewaltigung vorgeworfen. Zudem soll er Epstein junge Mädchen beschafft haben. Medienberichten zufolge bestreitet dieser die Vorwürfe.

Vergangene Woche hatten Mitglieder der französischen Regierung eine Untersuchung in Frankreich gefordert. "Die US-Untersuchung hat Verbindungen zu Frankreich ans Licht gebracht", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der für Gleichstellung zuständigen Staatssekretärin Marlène Schiappa und des Staatssekretärs für den Schutz von Kindern, Adrien Taquet. "Für die Opfer erscheint es uns daher von grundlegender Bedeutung, in Frankreich eine Untersuchung einzuleiten, damit die Angelegenheit vollständig aufgeklärt wird."

jpz/AFP



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