Medienberichte Epstein soll Testament unterschrieben haben - zwei Tage vor seinem Tod

Es geht um 578 Millionen US-Dollar: Laut US-Medien unterzeichnete Jeffrey Epstein kurz vor seinem Ableben ein Testament. Dies könnte es seinen mutmaßlichen Missbrauchsopfern erschweren, Schadensersatz einzuklagen.

Epstein als Gerichtszeichnung: Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar
Elizabeth Williams/ AP

Epstein als Gerichtszeichnung: Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar


Der wegen Sexualverbrechen angeklagte Multimillionär Jeffrey Epstein hat einem Medienbericht zufolge zwei Tage vor seinem mutmaßlichen Suizid ein Testament aufgesetzt. Darin habe der einstige Hedgefondsmanager sein Vermögen in Höhe von 578 Millionen Dollar einem Treuhandfonds übertragen, schrieb die "New York Post" am Montag. Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet über den Vorgang unter Berufung auf Gerichtsunterlagen aus dem Steuerparadies Virgin Islands.

Unklar ist demnach, wer von dem "The 1953 Trust" profitiert. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg News könnte der Schritt es mutmaßlichen Missbrauchsopfern erschweren, Schadensersatz einzuklagen.

In seinem Testament gab Epstein an, unter anderem Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar zu besitzen, außerdem sechs Luxusanwesen an Orten wie New York, Paris und Florida sowie Flugzeuge, Autos und Boote im Wert von mehr als 18 Millionen Dollar.

Reichlich ungeklärte Fragen in dem Fall

Epstein war am 10. August tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden worden. Nach Angaben des Justizministeriums beging er Suizid. Der 66-Jährige soll jahrelang junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Bei einer Verurteilung hätten dem US-Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Noch immer sind in dem Fall viele Fragen offen. Unter anderem: Warum wurde er in seiner Zelle nicht so streng überwacht wie vorgeschrieben? Und wie verhielt sich der Multimillionär im Gefängnis? Diesen Fragen ist die "New York Times" (NYT) zuletzt in einer Rekonstruktion nachgegangen.

Epstein versuchte einem regelmäßigen Besucher des Gefängnisses zufolge auch, sich bei anderen Häftlingen beliebt zu machen und so Attacken auf sich zu vermeiden. So habe der 66-Jährige mindestens drei Insassen Geld auf deren Konten beim Gefängnisladen überweisen lassen - eine Art Schutzgeldzahlung. Männer, die Minderjährige missbrauchen, stehen am unteren Ende der Gefängnishierarchie und werden häufig angegriffen.

Immer wieder Treffen mit dem Rechtsvertreter

Auch am letzten Tag vor seinem Tod traf Epstein sich der "NYT"-Rekonstruktion zufolge bis in den Nachmittag hinein mit Anwälten. In der Nacht hätte seine Zelle eigentlich alle halbe Stunde kontrolliert werden sollen. Die beiden zuständigen Wärter sollen aber eingeschlafen sein und später Protokolle gefälscht haben, sie wurden mittlerweile suspendiert.

Dem Bericht zufolge leidet das Gefängnis wie viele Haftanstalten in den USA unter massiver Personalnot, die auch durch einen Sparkurs der Regierung von US-Präsident Donald Trump verursacht wurde. Beide Aufseher für Epstein hätten Überstunden gemacht - einer freiwillig, der andere sei zu einer 16-Stunden-Schicht gezwungen worden. Insgesamt waren in der Nacht von Epsteins Tod laut offiziellen Angaben 18 Gefängnismitarbeiter im Dienst - für die Bewachung von 750 Häftlingen.

jok/AFP



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