Jens Breivik über seinen Sohn "Der schlimmste Terrorist seit dem Zweiten Weltkrieg"

Es ist viel gerätselt worden über die Persönlichkeit des Mannes, der in Norwegen 77 Menschen tötete und für unzurechnungsfähig erklärt wurde. Jetzt sprach erstmals Jens Breivik, der Vater des Attentäters, über seinen Sohn. Die Bluttat sei eine Katastrophe - "für mein Land und für mich persönlich".

Attentäter Breivik: Weder politisch noch intellektuell
AFP/ FACEBOOK

Attentäter Breivik: Weder politisch noch intellektuell


Hamburg - Jens Breivik ist ein schmaler Brillenträger mit kurzem weißen Haar und großen Händen. Fünf Monate nach den verheerenden Attentaten von Norwegen, bei denen sein eigener Sohn 77 Menschen tötete, empfing der ehemalige Diplomat einen Reporter des "Stern" auf seinem Landsitz in Südfrankreich.

"Er ist der schlimmste Terrorist seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Breivik Senior dem Magazin laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Sein Sohn habe Unschuldige ermordet und zeige noch nicht einmal Reue. Am 22. Juli hatte der rechtsradikale Attentäter zunächst eine Autobombe vor dem 18-stöckigen Regierungsgebäude in der Osloer Innenstadt gezündet. Anderthalb Stunden später erschoss er auf der 40 Kilometer entfernten Fjordinsel Utøya 69 Menschen, die meisten von ihnen Jugendliche.

Zwei Rechtspsychiater hatten Breivik Junior Ende November für nicht zurechnungsfähig erklärt. Er leide unter einer paranoiden Schizophrenie, hieß es. "Ob er irre ist oder nicht - für mich ändert sich dadurch nichts", sagt sein Vater heute. "Es ist und bleibt eine Katastrophe. Für mein Land und für mich persönlich."

"Beim Trivial Pursuit konnte er kaum eine Frage beantworten"

Er fühle sich indirekt mitschuldig, so der Ex-Diplomat. "Wahrscheinlich wäre das alles nicht passiert, wenn ich mich mehr um Anders gekümmert hätte." Das letzte Mal hatte er demnach vor etwa sechs Jahren telefonischen Kontakt mit seinem Sohn. Wenn er ihn eines Tages im Gefängnis besuchte, würde er vermutlich keine vernünftige Antwort auf all seine Fragen erhalten. "Wir leben in verschiedenen Welten." Trotzdem werde er versuchen, ihm in die Augen zu sehen: "Vielleicht bin ich ja in der Lage, Gefühle in ihm auszulösen."

Anders Behring Breivik wuchs nach der Trennung seiner Eltern ohne seinen Vater auf, der im Sorgerechtsstreit unterlag. "An einer Vater-Sohn-Beziehung war ihm nie gelegen", sagt der Vater heute, "wir hatten keinerlei gemeinsame Interessen oder Themen." Er habe seinen Sohn weder als besonders politisch noch intellektuell in Erinnerung: "Wenn wir Trivial Pursuit spielten, konnte er jedenfalls kaum eine Frage beantworten."

Jens Breivik arbeitete in den neunziger Jahren selbst drei Jahre lang in dem Regierungsgebäude, das sein Sohn später zerstörte. Von dem Anschlag erfuhr er in seiner südfranzösischen Wahlheimat. Wenig später wurde sein Haus von Fernsehteams, Paparazzi und Zeitungsreportern belagert. Mit seiner vierten Frau habe er hier seinen Lebensabend genießen wollen. Damit sei es nun vorbei, sagte er dem "Stern": "Diese Tragödie wird mich bis ans Ende meines Lebens verfolgen."

ala



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.