Vorfall vor Gericht Boateng-Bodyguards filmen Zeugin – Frau fühlt sich bedroht

Eine Zeugin ist beim Prozess gegen Jérôme Boateng in Tränen ausgebrochen. Sie gab an, beim Betreten des Gerichtsgebäudes gefilmt worden zu sein. Die Anwälte des Fußballers beschwichtigten.
Prozess in München: Jérôme Boateng (Mitte), Bodyguards

Prozess in München: Jérôme Boateng (Mitte), Bodyguards

Foto: Matthias Balk / dpa

Im Prozess gegen Jérôme Boateng ist es am Freitag im Münchner Strafjustizzentrum zu einem Vorfall mit seinen Bodyguards gekommen. Justizbeamte stellten deren Personalien fest, nachdem eine Zeugin im Prozess angegeben hatte, sie sei beim Hineingehen ins Gerichtsgebäude gefilmt worden und fühle sich bedroht.

Die Staatsanwältin hatte die Feststellung der Personalien mit der Begründung beantragt, es könne eine Straftat oder die Vorbereitung einer Straftat vorliegen. Die Zeugin, die vor Gericht angab, gesehen zu haben, wie Boateng seine damalige Freundin in einem Karibikurlaub attackiert, geschlagen und übel beleidigt habe, brach im Zeugenstand in Tränen aus. »Da hat man einfach Angst«, sagte sie, »dass man bedroht wird oder seine Familie bedroht wird.«

Anwälte: Zeugin nicht gezielt gefilmt

Boatengs Anwälte betonten nach der Feststellung der Personalien, dass ein »Sicherheitsdienst, der Herrn Boateng gestern auch schon betreut hat«, lediglich »das Umfeld eruiert« habe, um »die Sicherheitslage Boatengs« bewerten zu können. Es habe sich um eine reine »Objektabklärung« gehandelt und die Zeugin sei nicht gezielt und auch nur von hinten gefilmt worden.

Zuvor hatte der Fußballprofi in dem Berufungsprozess einen Verständigungsvorschlag des Landgerichts München I erneut abgelehnt. Bei dem Vorschlag geht es darum, die Berufung zurückzunehmen und noch einmal über die Höhe der Strafe zu verhandeln. Dazu müsste der Angeklagte seine Verurteilung allerdings akzeptieren.

Das Amtsgericht hatte Boateng im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro – 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro – verurteilt.

Der Richter sah es damals als erwiesen an, dass der langjährige Fußball-Nationalspieler, der heute bei Olympique Lyon unter Vertrag steht, seiner Ex-Freundin während eines gemeinsamen Urlaubs im Jahr 2018 ins Gesicht geschlagen hat.

Weil Boateng, der die Vorwürfe bestreitet, die Staatsanwaltschaft und auch die Nebenklage Berufung eingelegt haben, kam es zur Berufungsverhandlung.

wit/dpa
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