Jessicas Todestag Vater war teilnahmslos, Mutter weinte

Regungslosigkeit auf der einen Seite, bittere Tränen auf der anderen: Ein Polizist berichtete vor dem Hamburger Landgericht überraschende Details vom Tag, an dem die kleine Jessica starb. Die Eltern nahmen den Tod ihres Kindes völlig unterschiedlich auf.


Hamburg - Burkhard M., der Vater der verhungerten Jessica, hat nach dem Eindruck eines Beamten den Tod der Siebenjährigen beinahe teilnahmslos aufgenommen. Die Mutter Marlies Sch. habe hingegen "geweint und am ganzen Körper gezittert", sagte der Polizist heute vor Gericht aus. Er war als einer der ersten Einsatzkräfte in die Wohnung der Eltern gerufen worden. Die beiden sind wegen Mordes durch Unterlassung angeklagt.

Im Prozess um den Hungertod von Jessica schilderte der Polizist zudem die "extremen Umstände", unter denen das Mädchen am 1. März aufgefunden wurde. In der Wohnung habe er das tote Kind "deutlich abgemagert" und mit einem Pullover und einer Latzhose bekleidet im Schlafzimmer liegen gesehen. Vor dem Betreten der Wohnung habe ihm bereits ein Notarzt, der den Tod des Kindes festgestellt hatte, den "erschreckenden Zustand" von Jessica geschildert.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Eltern vor, in gegenseitigem Einverständnis beschlossen zu haben, ihre Tochter sterben zu lassen. Sie hätten das Kind in einem abgedunkelten und unzureichend beheizten Zimmer eingesperrt. Das auf knapp neun Kilo abgemagerte Mädchen war am 1. März an seinem eigenen Erbrochenen erstickt.

Im Verlauf des Prozesses hatte sich vor allem die Mutter in Widersprüche verstrickt. Zunächst hatte Marlies Sch. ihre Schuld eingestanden, dann aber behauptet, Jessica bis zum Ende "drei Mal täglich gefüttert" zu haben.



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