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Fall Jimmy Savile: Missbrauchsskandal um verstorbenen TV-Star

Foto: Keystone/ Getty Images

Britischer TV-Star Savile Ermittlungsbericht listet 214 Sexualverbrechen auf

Auf 30 Seiten führt ein Ermittlungsbericht erstmals detailliert das Ausmaß des Missbrauchsskandals um Jimmy Savile auf. Mehr als 200 Sexualstraftaten des einstigen TV-Stars sind darin aufgelistet. Seine meist minderjährigen Opfer suchte er sich in Krankenhäusern, in Heimen und sogar in einem Hospiz.

London - Die britische Polizei hat gemeinsam mit der Kinderschutzbehörde ihren Untersuchungsbericht zum Missbrauchsskandal um den verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile vorgestellt. Auf 30 Seiten wird darin detailliert geschildert, wie Savile sich fast sechs Jahrzehnte lang ungehindert an Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verging. Insgesamt sind 214 Sexualverbrechen des einstigen Star-Moderators aufgelistet, darunter 34 Vergewaltigungen.

Das Ausmaß des Missbrauchs sei "beispiellos im Vereinigten Königreich", hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Demnach lieferten insgesamt 450 Menschen Informationen über Savile, der einer der größten Fernsehstars Großbritanniens in den siebziger und achtziger Jahren war. 73 Prozent seiner Opfer sind laut dem Untersuchungsbericht minderjährig gewesen, 82 Prozent weiblich. Das jüngste Missbrauchsopfer war acht Jahre alt, das älteste 47. Der erste sexuelle Übergriff fand 1955 in Manchester statt, der letzte 2009.

Savile habe seine Berühmtheit ausgenutzt, um die Verbrechen zu vertuschen, heißt es in dem Bericht. Zudem sei nun klar, dass seine Wohltätigkeitsaktivitäten - er engagierte sich ehrenamtlich in Krankenhäusern - dazu gedient hätten, "über sechs Jahrzehnte hinweg unkontrollierten Zugang zu verletzlichen Menschen zu bekommen". Der Moderator suchte seine Opfer in Krankenhäusern, in Heimen für psychisch Kranke - und sogar in einem Hospiz. Er missbrauchte seine Opfer aber auch auf dem Gelände der BBC.

Der Skandal war durch eine Dokumentation des britischen Senders ITV ins Rollen gekommen, in der fünf Frauen davon berichteten, Savile habe sie als Minderjährige sexuell missbraucht. Die BBC selbst hatte einen kritischen Beitrag über Savile zuvor zurückgehalten. Dazu hätten Verwirrung und schlechte Führung in der Chefetage geführt, hieß es in einem im Dezember veröffentlichten Untersuchungsbericht des Senders.

Anschuldigungen nicht energisch genug verfolgt?

Im Oktober 2012 wurden Ermittlungen eingeleitet, im Zuge derer bereits mehrere britische Prominente vorübergehend festgenommen wurden. Savile, den die Queen 1990 zum Ritter geschlagen hatte, starb 2011 im Alter von 84 Jahren. Er wurde nie angeklagt.

Savile, so heißt es in dem aktuellen Untersuchungsbericht, hätte aber durchaus zu Lebzeiten strafrechtlich verfolgt werden können. Der Missbrauchsskandal hätte demnach deutlich früher ans Licht kommen können, wenn die Behörden Vorwürfe gegen den Moderator ernst genommen hätten.

Das sieht auch Staatsanwältin Alison Levitt so, die am Freitag ebenfalls einen Bericht zu dem Fall veröffentlichte. Darin wirft sie offiziellen Stellen vor, Anschuldigungen gegen Savile nicht energisch genug nachgegangen zu sein. Demnach hatten sich in den Jahren 2007 und 2008 mehrere Frauen bei der Polizei gemeldet.

Dass Savile nie angeklagt wurde, habe zum Teil auch daran gelegen, dass die Frauen nicht bereit gewesen seien, vor Gericht auszusagen. Die Polizei, so Levitt, hätte sich stärker darum bemühen müssen, die Frauen zu Aussagen zu bewegen. So sei ihnen beispielsweise nicht mitgeteilt worden, dass auch andere Opfer sich gemeldet hätten, die ihre Angaben untermauern würden.

Auch andere Institutionen, darunter das Gesundheitsministerium, hätten möglicherweise Opfer nicht genügend ernst genommen, berichtet der "Guardian" . So hätten mehrere Krankenhäuser eine Umgebung geschaffen, in der Savile junge Opfer habe treffen können.

Die Hoffnung bei dieser schrecklichen Geschichte sei, dass mögliche Täter künftig vielleicht eher vor Kindesmissbrauch zurückschrecken - jetzt, da das Ausmaß des Skandals ans Licht gekommen ist, sagt Peter Saunders, der Gründer einer Vereinigung, die sich für missbrauchte Kinder einsetzt.

wit/AP/Reuters/AFP