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"El Chapos" Hemd als Verkaufsschlager Gangster-Style

Joaquín "El Chapo" Guzmán, ein Trendsetter? Sieht ganz so aus, zumindest modisch gesehen. Das 128 Dollar teure Hemd, das der Drogenboss beim Treffen mit Sean Penn trug, ist plötzlich extrem begehrt. Sehr zur Freude des Herstellers.

Rückblickend war es vielleicht doch keine so gute Idee, sich als einer der meistgesuchten Drogenbosse der Welt zum Interview mit einem Hollywoodstar zu treffen: Das Foto vom Handschlag zwischen Joaquín "El Chapo" Guzmán und Sean Penn ging um die Welt.

Inzwischen lässt sich konstatieren, dass beide Abgebildeten nicht gerade von dem Treffen profitiert haben. Penn und die Zeitschrift "Rolling Stone", in der er über die Begegnung berichtete , wurden scharf dafür kritisiert, einem Schwerverbrecher solch ein Forum zu bieten.

Und Guzmán? Wurde am vergangenen Freitag gefasst. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass für ihn das Treffen mit Penn eher zweitrangig war - er dafür aber umso interessierter an Flirt-Kontakt zu Schauspielerin Kate del Castillo war, die die Begegnung arrangiert hatte. "El Chapo" ließ für del Castillo offenbar viele Sicherheitsvorkehrungen sausen, was zu seiner Festnahme beitrug.

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"El Chapos" Hemd: Glücksfall für ein Modelabel

Foto: FREDERIC J BROWN/ AFP

Einen Gewinner des Treffens gibt es aber doch: Barabas, ein Modelabel aus Los Angeles. Guzmán trug auf dem Foto ein Hemd der Marke. Die tat das umgehend via Facebook kund - und zog dadurch so viele Kunden an, dass die Website des Unternehmens zwischenzeitlich zusammenbrach.

Das Foto von Guzmán und Penn wird auf der Seite inzwischen als "Most Wanted Shirt" angepriesen . "Es geht nicht darum, dass er ein internationaler Krimineller ist", sagte Barabas-Ladenbesitzer Shawn Esteghbal dem "Guardian" . Immerhin hätte Guzmán sich alles kaufen können, "aber er hat unsere Marke ausgewählt, unser Design". Warum Guzmán dieses Hemd auswählte, weiß Esteghbal auch nicht so genau. Vermutlich habe das Design überzeugt.

Für 128 Dollar kann nun jeder ein bisschen Guzmán sein. Und das Geschäft boomt.

Das Label wirbt mit dem Slogan "Gute Worte. Gute Gedanken. Gute Taten." Ist es da nicht ein wenig seltsam, mit einem Mann zu werben, dem Mord, Drogenhandel, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird? Esteghbal ficht das nicht an: "Nein, nein, wir machen einfach Kleidung."

Guzmán soll an die Vereinigten Staaten ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt werden. Bis zu einem Prozess könnten aber noch Jahre vergehen.

Barabas ist nicht das erste Unternehmen, dem Guzmán einen Verkaufsschlager bringt. Zu Halloween freuten sich Hersteller von Grusel-Artikeln bereits über den Absatz von "El Chapo"-Masken.

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Drogenboss Guzmán: Das letzte Versteck von "El Chapo"

Foto: AP/MEXICOS PRESIDENTIAL PRESS OFFICE

Video zu "El Chapos" Festnahme: Die Stürmung des Verstecks

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ulz