Besuch bei US-Prozess "Narcos"-Darsteller trifft "El Chapo"

"Ich bin gekommen, um einen Mann zu studieren, der in gewisser Weise eine Legende ist": Alejandro Edda verkörpert in der Serie "Narcos: Mexico" den früheren Drogenboss Joaquín Guzmán. Nun hat er ihn vor Gericht live erlebt.

Alejandro Edda vor dem Gericht in Brooklyn
AP

Alejandro Edda vor dem Gericht in Brooklyn


Der Schauspieler, der in der Netflix-Serie "Narcos: Mexico" die Rolle des Joaquín Guzmán spielt, hat den ehemaligen Drogenboss bei dessen Gerichtsprozess in New York erlebt. Der Mexikaner Alejandro Edda tauchte am Montag überraschend zum Prozess auf. Er nickte Guzmán der "New York Post" zufolge zu, woraufhin der Angeklagte lächelte und winkte. "Er schien glücklich", sagte Guzmáns Anwalt William Purpura, der seinen Mandanten auf den Gast im Saal hingewiesen hatte.

Die Begegnung sei "einschüchternd" gewesen, sagte Edda später zu Journalisten. "Ich bin gekommen, um einen Mann zu studieren, der in gewisser Weise ein Mythos, eine Legende ist." Er sei nervös geworden, als Guzmán ihn gesehen und gegrüßt habe. Edda traf später auch Guzmáns Frau sowie seinen Verteidiger.

Guzmán sei "traurig", "an einem fremden Ort eingesperrt" und spreche nicht einmal Englisch, sagte Edda. "Aber als Mexikaner sage ich, der Mann muss für seine Verbrechen büßen. Tausende Menschen sind wegen des Drogenschmuggels gestorben."

Guzmán muss sich in New York unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten - und mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe rechnen. Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und große Mengen anderer Drogen in die USA geschmuggelt haben.

Der von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitete Prozess gegen Guzmán hatte Anfang November begonnen. Er kommt etwas schneller voran als erwartet. Die Schlussplädoyers stehen bald bevor. Wie lange die Jury dann für ihr Urteil braucht und wann im Fall einer Verurteilung Guzmáns ein Strafmaß verkündet werden könnte, ist aber noch offen

Am Montag sagte Guzmán vor Gericht, er werde darauf verzichten, selbst zu seiner Verteidigung auszusagen. Dazu hätten ihm seine Anwälte geraten.

Der 61-jährige Guzmán hat mehrfach gesagt, dass er seine Lebensgeschichte gern als Buch oder Film nacherzählt sehen würde. Die Serie "Narcos: Mexico" ist seit Mitte November beim Streamingdienst Netflix verfügbar und dreht sich um den Drogenhandel in Mexiko. Derzeit wird in Mexiko-Stadt die zweite Staffel gedreht.

Bereits im Jahr 2015 war die Serie "Narcos" bei Netflix erschienen, darin geht es um den Drogenhandel in Kolumbien und um Drogenbaron Pablo Escobar. Inzwischen gibt es drei Staffeln.

aar/dpa/AFP



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holgerb84 29.01.2019
1. El Chapo
Es gibt bereits eine von Netflix produzierte über El Chapo. Über drei Staffeln hinweg wird seinen Aufstieg und Fall geschildert.
cosmose 29.01.2019
2.
Zitat von holgerb84Es gibt bereits eine von Netflix produzierte über El Chapo. Über drei Staffeln hinweg wird seinen Aufstieg und Fall geschildert.
Leider ist "El Chapo" so grottenschlecht, dass man sich entschieden hat, das Ganze noch mal als Spinoff von Narcos zu drehen. Funktioniert in meinen Augen tatsächlich wesentlich besser, weil es einfach authentischer erscheint, wenn die Mexikaner auch tatsächlich Spanisch sprechen. Habe dementsprechend auch nur die ersten beiden Staffeln von El Chapo gesehen. Ich lese tatsächlich lieber Untertitel und höre Escobar/Guzman im Hintergrund wie ein Rohrspatz auf Spanisch fluchen, als das Ganze auf Englisch bzw. Deutsch zu hören.
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