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11. Dezember 2018, 17:02 Uhr

Frau von "El Chapo" im Interview

"Ich habe nie etwas Illegales getan"

Einst war Joaquín Guzmán der gefürchtetste Drogenboss der Welt, in den USA droht ihm nun lebenslange Haft. Ehefrau Emma äußert Zweifel an den Vorwürfen. Zu Hause habe sie nie etwas Merkwürdiges bemerkt.

Als Anführer des Sinaloa-Kartells war Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", Mexikos mächtigster Drogenboss. Nun wird ihm in New York der Prozess gemacht. Dabei ist ihm die Unterstützung seiner Ehefrau sicher. Emma Coronel Aispuro weicht auch vor Gericht nie von seiner Seite.

Die 29-Jährige, die den ehemaligen Drogenbosse bereits vor elf Jahren geheiratet hatte, hat im US-Fernsehen nun eines ihrer seltenen Interviews gegeben. "Ich tue das, was jede Frau tun würde. Ich fühle mich besser, wenn ich ihn sehe", sagte Coronel Aispuro dem spanischsprachigen Sender Telemundo. Sie sei froh, dass ihr Mann trotz allem noch lachen könne.

"Sie wollen, dass er der böse 'El Chapo' bleibt, und das ist nicht fair"

Zugleich kritisierte die ehemalige Schönheitskönigin die Rolle der Presse in dem Prozess. "Die Medien haben ein bestimmtes Bild von ihm geschaffen und wollen es nun erhalten, weil es sich besser verkaufen lässt", so Coronel Aispuro. "Sie wollen, dass er der böse 'El Chapo' bleibt, und das ist nicht fair. Wir müssen die Wahrheit aussprechen." Die 29-Jährige bekräftigte, dass sie zu Hause nie etwas Merkwürdiges bemerkt habe. Sie selbst habe in ihrem Leben nie etwas Illegales getan.

In seiner Heimat gilt Guzmán als Legende. Der 61-Jährige, der schon als Jugendlicher mit Marihuana gedealt haben soll, importierte mit seinem Sinaloa-Kartell mindestens 200 Tonnen Kokain in die USA, mit Privatjets, Schiffen und U-Booten. Er schmuggelte auch Heroin, Meth und Marihuana, manchmal versteckt in Dosen mit Jalapeños. Die Ware wurde über Miami, New York, Chicago und Atlanta vertrieben, der Milliardenerlös floss zurück nach Mexiko.

Guzmán, der dreimal geschnappt wurde und zweimal entkommen konnte, hat auf nicht schuldig plädiert. Die Todesstrafe ist nach Absprache zwischen den Behörden in den USA und Mexiko ausgeschlossen.

(Lesen Sie hier mehr zum Jahrhundertprozess gegen "El Chapo".)

bam

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