Geflüchteter Drogenboss "El Chapo" ist Staatsfeind Nummer eins

"El Chapo" steht mit seiner kriminellen Energie dem berüchtigten Al Capone in nichts nach. Nur sie wurden bislang als Staatsfeind Nummer eins bezeichnet. Der Drogenboss regt aber offensichtlich auch Musiker zu kreativen Kompositionen an.

Fahndungsbild: "El Chapo" ist weiterhin auf der Flucht
REUTERS

Fahndungsbild: "El Chapo" ist weiterhin auf der Flucht


Nach der spektakulären Flucht von Joaquín "El Chapo" Guzmán aus einem Hochsicherheitsgefängnis hat eine US-Organisation den mexikanischen Kartellchef erneut zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Der Titel wird von der Organisation Chicago Crime Commission (CCC) vergeben, die organisierte Kriminalität beobachtet und bekämpft. Vor "El Chapo" war nur der legendäre US-Gangster Al Capone in den Dreißigerjahren als Staatsfeind Nummer eins deklariert worden.

"Guzmáns Sinaloa-Kartell ist der wichtigste Drogenlieferant in Chicago. Seine Leute importieren große Mengen Rauschgift in die Region und schicken Millionen Dollar an Drogengelder zurück nach Mexiko", sagte Kommissionspräsident J. R. Davis. In den etwa 100.000 Mitgliedern von Straßengangs in Chicago und Umgebung habe das Verbrechersyndikat willfährige Helfer gefunden.

Die CCC hatte "El Chapo" bereits 2013 zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. "Verglichen mit Guzmán war Al Capone ein Anfänger", sagte Davis damals. Nach der Festnahme des Drogenbosses im vergangenen Jahr wurde er vorläufig von der Liste gestrichen.

Die spektakuläre Flucht des Drogenbosses - er war durch einen anderthalb Kilometer langen Tunnel geflohen - ruft nicht nur Ermittler auf den Plan. Mexikanische Musiker haben auf YouTube mehrere Videos hochgeladen, in denen sie den Gefängnisausbruch besingen. "Der Regierung entwischen, daran ist er bereits gewöhnt. Gitter können ihn nicht aufhalten, sie konnten ihn nicht zähmen", heißt es in dem Song "El Chapo Guzmán ist abgehauen". "Jetzt ist er frei wie der Wind, niemand weiß, wo er ist", heißt es in dem Lied "Der König des Tunnels".

Sogenannte Narcocorridos (Drogen-Balladen) sind in Mexiko sehr populär. Kartellchefs bestellen sich bei Musikern regelrecht Lieder zu ihren Ehren. Wegen Gewaltverherrlichung sind die Songs im Ranchero-Stil in einigen Regionen Mexikos verboten.

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Drogenboss "El Chapo": Flucht durch 1,5-Kilometer-Tunnel

kbl/dpa

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