Kirche in Aachen Weihbischof lässt nach schweren Vorwürfen seine Ämter ruhen

Die Staatsanwaltschaft Köln hat Aachens Weihbischof Johannes Bündgens angeklagt: Er steht im Verdacht 128.000 Euro einer dementen Seniorin veruntreut zu haben. Erst nach einer SPIEGEL-Anfrage wurde die Öffentlichkeit informiert.
Aachener Dom (Archiv): Staatsanwaltschaft klagt Weihbischof an

Aachener Dom (Archiv): Staatsanwaltschaft klagt Weihbischof an

Foto: Marius Becker/ dpa

Der Vorwurf gegen den Würdenträger der katholischen Kirche im Bistum Aachen wiegt schwer: Von Dezember 2017 bis Januar 2018 soll Weihbischof Johannes Bündgens in vier Raten insgesamt 128.000 Euro vom Vermögen einer geschäftsuntüchtigen Seniorin auf sein Privatkonto überwiesen haben. Nach SPIEGEL-Informationen hatte die heute 78-jährige Marga K. bereits im September 2016 dem Freund der Familie mit einer Generalvollmacht Zugriff auf ihr Vermögen ermöglicht. Ärzte diagnostizierten 2017, sie leide unter Demenz. Im Rahmen eines Betreuungsverfahrens wurde die Vollmacht als "sittenwidrig" beurteilt. Der eingesetzte amtliche Betreuer forderte die Summe im Frühjahr 2018 von Bündgens zurück.

Der Weihbischof überwies zunächst monatlich 1000 Euro an die 78-jährige Frau. Als die Staatsanwaltschaft Köln Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhob, überwies Bündgens im September den gesamten Restbetrag zurück an die demente Seniorin.

Nachdem der SPIEGEL in dieser Woche eine Anfrage an den Rechtsanwalt des katholischen Würdenträgers gerichtet hatte, teilte Bündgens heute Morgen in einer Presseerklärung mit, er lasse alle Ämter bis zum Abschluss des Verfahrens ruhen. Bischof Helmut Dieser zeigte sich schockiert über den Vorwurf und drängte auf vollständige Aufklärung.

Weihbischof Johannes Bündgens

Weihbischof Johannes Bündgens

Foto: Ralf Roeger/dpa

Bündgens hatte sich im Frühjahr 2018 in Aachen eine Immobilie gekauft, in die nach Angaben seines Anwalts Gottfried Reims die wohlhabende Seniorin einziehen wollte. Sie habe ein mietfreies lebenslanges Wohnrecht in einer der Wohnungen gehabt. Das gelte auch ohne eine schriftliche Übereinkunft. Bei der Überprüfung des Grundbuchs hatten die Ermittler jedenfalls kein eingetragenes Nutzungsrecht für die Seniorin festgestellt.

Ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird, muss das Amtsgericht Kerpen noch entscheiden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, das Amtsgericht Kerpen habe der Kölner Staatsanwaltschaft ergänzende Beweiserhebungen aufgegeben. Das ist nicht korrekt, wir haben die Passage angepasst.