Nach tödlicher Prügelattacke in Berlin Hunderte Menschen nehmen Abschied

Jonny K. wurde brutal zusammengeschlagen. Zwei Wochen nachdem der 20-Jährige im Herzen Berlins mit Tritten und Schlägen totgeprügelt wurde, haben nun Hunderte Menschen Abschied von dem jungen Mann genommen.

DPA

Berlin - Sie hatten sich schick gemacht für den Abschied von Jonny K.. Die jungen Menschen, die vor dem Berliner Haus der Begegnung warteten, sahen eher so aus, als würden sie in eine Diskothek gehen und nicht zur Trauerfeier eines guten Freundes.

Zwei Wochen nachdem Jonny K. am Alexanderplatz von einer Gruppe junger Männer schwer verletzt wurde und später im Krankenhaus starb, nahmen Familie, Freunde und Hunderte Berliner am Sonntag Abschied von dem 20-Jährigen.

"Wir wollten ein letztes Mal mit Jonny feiern", sagte ein ehemaliger Mitschüler. "Er war ein so fröhlicher Mensch. Ich bin mir sicher, er hätte sich gefreut, wie wir auf sein Leben zurückgeschaut haben."

So gefasst wie der ehemalige Schulkamerad reagieren allerdings nicht alle Gäste. Junge Frauen ließen sich schluchzend von ihren Freunden stützen. Etliche Menschen weinten vor dem geschlossenen weißen Sarg. Einige Jugendliche trugen T-Shirts mit Jonnys Konterfei. Ältere Paare hielten sich an den Händen. "Wir haben einen Sohn im gleichen Alter", sagte eine Frau. "Die Täter hätten genauso gut unser Kind umbringen können."

Im Haus der Begegnung nahmen die Menschen von dem jungen Mann Abschied. In Videobotschaften erzählten Freunde ihre Erinnerungen an Jonny K. - unterdessen wurden Lieder von Puff Daddy und Beyoncé gespielt. "Ich kann immer noch nicht fassen, dass unser Jonny weg ist. Es ist, als hätten wir noch gestern telefoniert", sagte ein Freundin.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) kamen zu der Zeremonie. "Ich bin fassungslos. Es gibt keine Erklärung für diese sinnlose Tat", sagte Wowereit. Justizsenator Heilmann sprach von der Pflicht der Politiker, den Fall schnell aufzuklären und weitere in Zukunft zu verhindern. "Diese Tat zeichnet ein schlechtes Bild von unserer Stadt."

Jonny K. war am 14. Oktober von mehreren Unbekannten so brutal zusammengeschlagen worden, dass er einen Tag später starb. Ein Tatverdächtiger sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, zwei weitere befinden sich wieder auf freien Fuß. Der mutmaßliche Haupttäter soll sich inzwischen in der Türkei aufhalten. "Wir werden diesen Fall schnell abschließen", versprach Justizsenator Heilmann am Rande der Trauerfeier.

lei/dpa

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