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11. Juli 2015, 10:29 Uhr

Vor Missbrauchsprozess

Papstbotschafter kommt ins Krankenhaus

Es wäre ein Novum gewesen: Erstmals sollte ein hochrangiger katholischer Geistlicher wegen Kindesmissbrauchs angeklagt werden - doch kurz vor Prozessbeginn kommt der frühere Erzbischof Wesolowski auf die Intensivstation.

Kurz vor Beginn seines Missbrauchsprozesses ist der ehemalige Vatikanbotschafter Josef Wesolowski ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er sei auf der Intensivstation und könne daher nicht an dem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger teilnehmen, teilte der Vatikan mit. Die Eröffnungssitzung am Samstagmorgen werde sich daher auf eine kurze Anhörung beschränken.

Wesolowski wird vorgeworfen, während seines Aufenthalts in der Dominikanischen Republik von 2008 bis 2013 Kinder sexuell missbraucht zu haben. Außerdem soll er während seines Aufenthalts im Vatikan zwischen August 2013 und September 2014 kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen haben.

Der 66-jährige Pole leidet bereits seit Längerem an nicht öffentlich bekannten gesundheitlichen Problemen. Wesolowski war im September 2014 im Vatikan festgenommen und zunächst unter Hausarrest gestellt worden. Papst Franziskus hatte ihn nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Herbst 2013 von seinem Posten abberufen. Nach einem disziplinarischen Verfahren wurde der frühere Erzbischof in den Laienstand versetzt - die höchstmögliche Strafe in der Kirche.

Der Prozess gegen den einstigen Geistlichen ist eine Premiere im Vatikan. Er zeigt die härtere Linie, die Papst Franziskus gegen Kindesmissbrauch verfolgt. Im Juni stimmte das katholische Kirchenoberhaupt auch der Schaffung eines Gerichts zu, das die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Bischöfe ahnden soll. Damit folgte er einer Empfehlung eines neu gegründeten Gremiums gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche.

kry/AFP

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