Fahndungserfolg Chef des Juárez-Kartells in Mexiko gefasst

Ein Kopfgeld in Millionenhöhe hatten die Fahnder auf Vicente Carrillo Fuentes ausgelobt. Jetzt ist ihnen der legendäre Chef des Juárez-Kartells ins Netz gegangen - er gilt als einer der dienstältesten Drogenbosse Mexikos.
Fahndungserfolg: Chef des Juárez-Kartells in Mexiko gefasst

Fahndungserfolg: Chef des Juárez-Kartells in Mexiko gefasst

Foto: Mario Guzman/ dpa

Der Name Carrillo Fuentes flößt noch immer Millionen von Mexikanern Furcht und - je nachdem - manchmal auch Respekt ein. Er steht für die Anfänge des Kokainhandels in großem Stil in Mexiko, er erinnert an die ersten Rauschgifttransporte, die in Boeings über die Grenze in die USA gebracht wurden, und mit Carrillo Fuentes verbunden ist auch eine der meisterzählten Legenden um die Kokain-Könige Mexikos.

Mitte bis Ende der Neunzigerjahre galt das Juárez-Kartell der Gebrüder Carrillo Fuentes als das größte Verbrechersyndikat Lateinamerikas. Heute aber ist die Gruppe nach zahlreichen verlorenen Schlachten mit den Erzfeinden vom Sinaloa-Kartell nur noch eine regionale Macht im an die USA grenzenden Bundesstaat Chihuahua.

Aber selbst das könnte sich seit Donnerstagabend erledigt haben - denn die Polizei hat den Chef der Organisation gefasst. Vicente Carrillo Fuentes alias "El Viceroy" ging den Sicherheitskräften in der Stadt Torreón im Bundesstaat Coahuila im Norden des Landes ins Netz, wie der Beauftragte für die Nationale Sicherheit, Monte Alejandro Rubido, bestätigte. Man sei Carrillo Fuentes schon mehrere Monate auf den Fersen gewesen. Nach Angaben mexikanischer Medien wurde der Gesuchte am Flughafen der Stadt festgenommen, ohne dass ein Schuss fiel.

Mysteriöser Tod bei Gesichts-OP

Fuentes war einer der Drogen-Capos, die es am längsten an der Spitze ihrer Verbrecherorganisation aushielten. Er übernahm die Führung der Gruppe 1997, als sein Bruder und Gründer des Kartells, Amado Carrillo Fuentes, auf mysteriöse Weise bei einer Gesichtsoperation ums Leben kam.

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Chef des Juárez-Kartells: Festnahme am Flughafen

Foto: Mario Guzman/ dpa

Auf "El Viceroy" hatten alleine die USA ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft bot zusätzliche 30 Millionen Pesos (umgerechnet 1,8 Millionen Euro) für Hinweise, die zu der Festnahme des 51-Jährigen führten. Es ist bereits der zweite große Schlag gegen den Anführer eines mexikanischen Drogenkartells binnen kurzer Zeit. Erst zum Monatsanfang hatten die Sicherheitskräfte Héctor Beltrán Leyva gefasst, den Chef der gleichnamigen Organisation.

Die Carrillo-Fuentes-Brüder stammten standesgemäß aus dem Hinterland des Bundesstaats Sinaloa im Nordwesten Mexikos. Dort wurden fast alle mächtigen Drogenbosse geboren, allen voran Joaquín "El Chapo" Guzmán, der inhaftierte Anführer des Sinaloa-Kartells. Guzmán lieferte sich mit dem Juárez-Kartell über viele Jahre eine blutige Schlacht um Ciudad Juárez, die Millionenstadt gegenüber von El Paso. Sie wurde seit den Neunzigerjahren von den Carrillo-Fuentes-Brüdern dominiert. Bei den Gemetzeln der rivalisierenden Gruppen wurden alleine zwischen 2008 und 2013 rund zehntausend Menschen getötet. Zeitweise galt Juárez als die tödlichste Stadt der Welt .

Sie war so umkämpft, weil sie strategisch günstig im Zentrum aller Handelsrouten liegt, durch vier Grenzübergänge mit dem texanischen El Paso verbunden ist und man im Hinterland des Bundesstaats Chihuahua, der zwei Drittel der Fläche Deutschlands aufweist, ungestört alle Drogen anbauen kann.

"El Viceroy" übernahm die Leitung der Juárez-Organisation, nachdem sein Bruder Amado vor 17 Jahren angeblich bei einer Operation in Mexiko-Stadt ums Leben kam. Amado Carrillo Fuentes trug den Künstlernamen "Señor de los cielos", Herr der Himmel, da er als erster Großraumflugzeuge einsetzte, um das Kokain von Mexiko in die USA zu transportieren. Er perfektionierte sozusagen den von Pablo Escobar begonnenen Transport mittels kleiner zweimotoriger Flieger und rüstete auf Boeing 727 auf. Unter seiner Führung füllte das Juárez-Kartell die Lücke, die das Medellín-Kartell nach seiner Zerschlagung und Escobars Tod Ende 1993 hinterlassen hatte. Der Herr der Himmel hat laut US-Anti-Drogen-Behörde mehr Koks als jeder andere geschmuggelt und verdiente in seinen Hochzeiten um die 200 Millionen Dollar pro Woche.

Der Legende nach starb der Drogenboss am 4. Juli 1997 auf einem OP-Tisch in einem privaten Hospital in Mexiko bei einer verpfuschten kosmetischen Operation. Er wollte sich ein neues Gesicht machen lassen, sei dabei aber von einem rivalisierenden Kartell oder infiltrierten Agenten des Staates ermordet worden. Jedenfalls wurde das Ärzteteam wenige Tage nach dem Tod von Carrillo Fuentes getötet. Angeblich ruhen seine sterblichen Überreste in einem Marmorpalast in seinem Geburtsort Guamuchilito nahe Culiacán, der Hauptstadt von Sinaloa.

Mit der Festnahme von Amados kleinem Bruder Vicente könnte die sagenhafte Geschichte des Kartells nun zu Ende gehen. Und um die Schmuggelrouten zwischen Juárez und El Paso dürfte ein erbitterter Kampf ausbrechen.

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