Antisemitisches Relief in Wittenberg Expertenrat empfiehlt Abnahme der »Judensau«

Die Darstellung erhitzt die Gemüter schon lange – nun muss sie wohl weichen: Ein im Auftrag der Kirche einberufenes Gremium empfiehlt, die »Judensau« schnell abzunehmen.
»Judensau«-Relief an der Wittenberger Stadtkirche

»Judensau«-Relief an der Wittenberger Stadtkirche

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Ein Expertenbeirat empfiehlt die »zeitnahe Abnahme« eines antisemitischen Reliefs an der Wittenberger Stadtkirche. Das teilte ein Sprecher des Gremiums mit, das im Auftrag des Gemeindekirchenrates einberufen wurde.

Die »Judensau«-Darstellung aus dem 13. Jahrhundert beschäftigt Kirche, Zivilgesellschaft und Gerichte schon seit Jahren. Das an der Fassade des Gotteshauses angebrachte Sandsteinrelief zeigt, wie ein Rabbiner einem Schwein in den Anus schaut, während andere Juden aus den Zitzen des Tieres trinken. In der christlichen Kunst des Mittelalters verkörperten Schweine den Teufel, im Judentum gelten sie als unrein.

Der Expertenrat empfahl nun, »eine klare Veränderung der bisherigen Situation herbeizuführen«. Die Plastik müsse der »gegenwärtigen Sichtbarkeit« entzogen werden – am besten durch »Abnahme«. Das Relief solle dann an anderer Stelle mit adäquatem Kontext aufgestellt werden.

Christoph Maier, Beiratsmitglied und Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, sagte der »Süddeutschen Zeitung «, es sei wichtig, die Plastik nicht »in irgendein Museum abzuschieben«, sondern sie in einem »Lernort« in der Nähe der Kirche zu zeigen. Der Gemeindekirchenrat will nach bisherigem Stand Ende August zusammenkommen, um über die Empfehlungen zu beraten.

Der in Bonn lebende Rentner Michael Düllmann fordert seit Jahren die Entfernung des Reliefs von der einstigen Predigtkirche Martin Luthers – und brachte den Fall auch vor Gericht. Als Jude fühle er sich davon verunglimpft. Die Gegenseite verweist darauf, dass eine Informationstafel den historischen Kontext erkläre.

Im Juni hatte der Bundesgerichtshof entschieden, das Sandsteinrelief müsse nicht entfernt werden. Durch eine Bodenplatte und einen Aufsteller mit erläuterndem Text habe die Kirchengemeinde das »Schandmal« in ein »Mahnmal«  umgewandelt.

jpz/dpa
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