Jugendbanden in Guatemala Gesichter der Gewalt

"Plata o plomo" ("Geld oder Blei") – mörderische Jugendbanden machen Guatemala unsicher. Die rivalisierenden Maras bekämpfen sich bis aufs Blut, ihre Tätowierungen sind Provokation und Warnung zugleich.

Nach Einbruch der Dunkelheit traut sich niemand mehr auf die Straßen von Guatemala City, der Hauptstadt Guatemalas. Weder Touristen noch Einheimische. Dann treiben die Maras, die Jugendbanden, ihr Unwesen. Abertausende Jugendliche sind in den Gangs zusammengeschlossen, dort finden sie Solidarität, ein familienähnliches Netzwerk, das sich jedoch hauptsächlich mit Raub, Diebstahl, Drogen- und Waffenhandel finanziert. Wer kein Schutzgeld bezahlt, wird ermordet. Wer sich nicht an die Regeln der Gang hält, wird umgebracht.

Dabei sind die Maras kein originär guamaltesisches Phänomen – auch El Salvador, Honduras und Nicaragua kämpfen seit den neunziger Jahren gegen die mafiaähnlichen Strukturen, die ihren Ursprung in den Elendsvierteln von Los Angeles haben. Seit 2003 dürfen Jugendliche in Honduras und El Salvador allein aufgrund ihre Mitgliedschaft zu einer Mara verhaftet und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Im Krieg gegen die Jugendlichen, die Mareros, greift die Polizei zu brutalen Methoden, sogenannte Killerkommandos und Privatleute zu legalen und illegalen Schutzmaßnahmen.

Die Tätowierungen sind Mittel der Mareros, sich auszudrücken und die Zugehörigkeit zur einer Gang zu signalisieren. Die beiden internationalen Großverbände, denen fast alle Banden angehören, heißen "Mara Salvatrucha" (MS) und "Mara Dieciocho (M18) – und dementsprechend tragen ihre Mitglieder riesige Schriftzüge wie "Eightteen" auf ihrem Körper. Außerdem können Einweihte an den in die Haut gestichelten Bildern ablesen, wie viele Menschen der Tätowierte getötet hat, welche Position er in der Gang hat und auch autobiografische Details.

Die auffälligen Tätowierungen an Kopf und Körper machen es abtrünnigen Mara-Mitglieder auch so schwer, die Bande zu verlassen. Viele werden bei dem Versuch getötet. Rehabilitationsprogramme beinhalten daher oft auch die Entfernung der Tattoos.

abl

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