Jugendgewalt Dritte Krawallnacht erschüttert Pariser Vorstadt

In der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois herrscht seit Donnerstag die Gewalt. Nach dem Tod von drei Jugendlichen randalierten Einwohner und attackierten die Polizei. In der Nacht zum Sonntag setzten sie erneut Autos in Brand.

Clichy-sous-Bois - Es habe "sporadische Konfrontationen" zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften gegeben. Dennoch habe sich die Situation im Vergleich zu den beiden Vornächten weitgehend beruhigt, erklärte die Polizei. Insgesamt waren den Angaben zufolge am Sonntag noch 22 Menschen in Polizeigewahrsam. "Die dritte Nacht war viel ruhiger als die beiden vorhergehenden Krawallnächte", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. In den ersten beiden Nächten hatten dutzende Jugendliche Schaufensterscheiben eingeworfen und Fahrzeuge in Brand gesetzt; in der Nacht zum Samstag griffen sie auch Polizisten an. Ein Einsatzwagen wurde beschossen.

Auslöser für die Krawalle war der Tod von zwei Jugendlichen am Donnerstag nach einer angeblichen Verfolgungsjagd durch die Polizei. Am Samstag gedachten rund 500 Menschen mit einem Schweigemarsch der beiden Toten. Der Bürgermeister der 28.000 Einwohner zählenden Vorstadt, Claude Dilain, sagte den Teilnehmern des Schweigemarschs, Innenminister Nicolas Sarkozy habe ihm eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls zugesagt.

Zum Ablauf der Ereignisse, die zum Ausbruch der Krawalle führten, gab es verschiedene Versionen. Laut Polizei hatten Anwohner am Donnerstag die Beamten gerufen und sie über Diebstahl und Sachbeschädigung auf einer Baustelle informiert. Die Beamten nahmen sechs Jugendliche fest; drei weitere flüchteten.

Offenbar hatte sich das Trio von der Polizei verfolgt gefühlt und waren über die Absperrung eines Transformators geklettert. Zwei von ihnen, 15 und 17 Jahre alt, starben durch Stromschläge, der dritte Jugendliche wurde schwer verletzt. Dagegen sagte ein Anwohner, die Jugendlichen hätten mit ihren Motorrollern Lärm gemacht; als die Polizei kam, seien sie auf das Gelände des Energiekonzerns EDF geflüchtet, weil sie keine Helme getragen hätten. "Sie haben gedacht, sie würden gejagt, das stimmt aber nicht", sagte Staatsanwalt Françis Molins.

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