Justizirrtum in Florida Gericht verwirft Todesurteil nach 28 Jahren

Paul Hildwin wurde 1986 wegen Mordes zum Tod verurteilt. Nun hat ein Gericht in Florida das Urteil gekippt, weil eine DNA-Analyse zentrale Beweise der Anklage widerlegte. Wie Hildwin erging es in dem US-Bundesstaat schon vielen Verurteilten.

Inhaftierter Hildwin (undatierte Aufnahme): Anklage beruhte auf falschen Indizien
AP/Florida Department of Law Enforcement

Inhaftierter Hildwin (undatierte Aufnahme): Anklage beruhte auf falschen Indizien


Tallahassee - 28 Jahre saß Paul Hildwin in Florida in der Todeszelle - nun hat das oberste Gericht des US-Bundesstaats das Urteil gekippt. Hildwin war wegen Mordes an der 42-jährigen Vronziette Cox verurteilt worden. Eine neue DNA-Analyse zeigte, dass Sperma und Schweiß am Tatort nicht von Hildwin, sondern von William Haverty stammten, dem damaligen Freund der Getöteten. Die Flüssigkeiten waren für das Urteil entscheidend gewesen.

"Wir können unsere Augen nicht davor verschließen, dass eine wichtige Säule der Anklage, wie sie der Jury präsentiert wurde, in sich zusammengefallen ist und dass diese Indizien tatsächlich die Verteidigung stützen", teilte das Gericht mit. Es ordnete ein neues Verfahren an.

Hildwin bleibt vorerst im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie den 54-Jährigen erneut vor Gericht bringt. "Die Frage ist, welche Indizien sind noch da und welche Zeugen sind noch da", sagte Staatsanwalt Ric Ridgway.

Hildwin ist nicht der erste Todeskandidat, dessen Urteil in Florida gekippt wird. Laut dem Death Penalty Information Center geschah dies schon 24 Mal - öfter als in jedem anderen Bundesstaat.

Die Gruppe The Innocence Project hatte sich des Falls angenommen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Urteile mit Hilfe moderner DNA-Beweise zu widerlegen.

Seit zehn Jahren habe man das entlastende DNA-Material gehabt, sagte Nina Morrison, eine Mitarbeiterin der Gruppe. Neun Jahre lang habe man sich vergeblich bemüht, die Staatsanwaltschaft dazu zu bewegen, die Probe mit einer nationalen Datenbank abzugleichen. Dies sei erst gelungen, als man eine gerichtliche Anordnung erwirkt habe. "Paul hat wegen der Weigerung des Staates acht Jahre verloren", sagte Morrison. Der Abgleich hätte nur wenige Tage gedauert. "Es ist mir immer noch ein Rätsel, warum sie das nicht getan haben."

Für Hildwins Anwalt Martin McClain ist ohnehin klar, dass die Indizien klar auf Haverty hindeuten. Dieser sitzt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs ab.

Cox war 1985 vergewaltigt und ermordet worden. Hildwin sagte, er habe sie als Anhalterin mitgenommen. Cox' Leiche wurde einige Tage später in einem abgelegenen Gebiet gefunden. Ihr Radio und Ring wurden bei Hildwin gefunden. Er sagte im Prozess aus, er habe die Gegenstände gestohlen, während Cox und Haverty im Auto gestritten hätten.

ulz

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