Ermittlungsfehler in NRW 26-Jähriger missbrauchte nach Geständnis seine Nichte

Schwere Justizpanne im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach: Trotz eines Geständnisses konnte sich ein Verdächtiger noch an seiner dreijährigen Nichte vergehen.
Alsdorf: Durchsuchung im Haus eines Verdächtigen im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach (Archiv)

Alsdorf: Durchsuchung im Haus eines Verdächtigen im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach (Archiv)

Foto: Dagmar Meyer-Roeger/ DPA

Nach einem Ermittlungsfehler hat ein Mann in Nordrhein-Westfalen noch nach seinem Geständnis zu sexuellem Kindesmissbrauch eine Dreijährige missbrauchen können. Der Zeitsoldat aus Wesel hatte sich im Juni wegen der Taten an seiner dreijährigen Tochter und an seinem fünfjährigen Stiefsohn selbst angezeigt. Zwei Monate später missbrauchte er seine Nichte.

Wie das Düsseldorfer Justizministerium am Montag berichtete, hat der 26-Jährige den schweren sexuellen Missbrauch vom letzten Augustwochenende inzwischen gestanden.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hatte im vergangenen Monat im Landtag "zwei handwerkliche Fehler" der damals ermittelnden Staatsanwaltschaft Kleve eingeräumt und deren Versäumnisse offiziell bedauert. Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Selbstanzeige sowohl auf eine Hausdurchsuchung als auch auf eine Vernehmung der beiden Kinder verzichtet.

"Unter allen Umständen zu vermeiden"

Es stehe nicht sicher fest, "dass die neuerlichen Taten bei zeitnaher Durchsuchung und Vernehmung der geschädigten Kinder verhindert worden wären", teilte das Ministerium mit. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Justizversäumnisse in Kleve habe der Justizminister die Generalstaatsanwälte aber bereits mit einem Erlass für die besonderen Erfordernisse bei Verdacht auf Kindesmissbrauch sensibilisiert. Zeitverzögerungen seien demnach "unter allen Umständen zu vermeiden" und Ermittlungs- und Zwangsmaßnahmen auch im Fall eines Geständnisses sorgfältig zu prüfen und anzuwenden.

Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte dafür im Juni keinen Anlass gesehen, nachdem der Täter fünf Missbrauchsfälle an beiden Kindern zugegeben und sich "reumütig und therapiebereit" gezeigt habe. Zuvor hatte sich der Stiefsohn seiner Mutter anvertraut.

Im Zuge der Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs durch einen großen Kinderpornografie-Chat-Ring, der in Bergisch Gladbach aufgeflogen ist, aber weit darüber hinausreicht, geriet der 26-Jährige wieder ins Visier der Fahnder. Mit einem Tatverdächtigen aus Bergisch Gladbach habe der Weseler kinderpornografische Aufnahmen getauscht "und außerdem über ein Treffen zum Zwecke des gemeinsamen sexuellen Missbrauchs seiner dreijährigen Nichte gesprochen", wie Biesenbach sagte. Daraufhin sei der Zeitsoldat am 25. Oktober festgenommen worden, Monate nach seiner Selbstanzeige.

wit/dpa
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