JVA-Kurier Anwalt soll Häftlinge mit Drogen versorgt haben

Juristischer Beistand in allen Belangen: Ein Rechtsanwalt soll für seinen Mandanten Drogen in die JVA Uelzen geschmuggelt haben. Der Jurist versteckte laut Anklage die Päckchen in Brötchen und Schokoriegeln.


Lüneburg - Rund zwei Jahre lang soll der 48-Jährige Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Uelzen mit Drogen versorgt haben. Der Anwalt aus dem Raum Osnabrück soll der Anklage der Staatsanwaltschaft Hannover zufolge in 15 Fällen Haschisch oder Kokain ins Gefängnis gebracht haben - versteckt beispielsweise in Brötchen oder Schokoriegeln. Empfänger und Verteiler der Drogensendungen zwischen Mai 2005 und Juni 2007 war ein 33 Jahre alter Mandant des Juristen.

Weil Anwälte bei Gefängnisbesuchen nicht durchsucht werden, gelang es dem Rechtsbeistand auch, ein Handy in die JVA zu schmuggeln. Mit dem Mobiltelefon konnte der 33-Jährige Bestellungen an einen dritten Mann, einen 49-Jährigen aus Hannover, durchgeben. Dieser besorgte die Drogen und übergab sie dem Anwalt. Dem 33-Jährigen und dem 49-Jährigen wird nun Drogenhandel in insgesamt 19 Fällen vorgeworfen.

Ob der 33-Jährige die Brötchen oder Schokoriegel während des Anwaltsgespräches aß und die verpackten Drogen später in seiner Zelle wieder ausschied, ist noch unklar. "Ich kann das nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen", sagte Gabriele Bröcher, Sprecherin der JVA Uelzen. Der 33-Jährige sitzt in Uelzen eine langjährige Haftstrafe überwiegend wegen Drogendelikten ab. Er muss damit rechnen, dass die Staatsanwaltschaft Sicherungsverwahrung beantragt.

jjc/dpa



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