Kachelmann-Prozess Gericht lehnt Gutachter der Verteidigung ab

Herber Rückschlag für die Verteidigung von Jörg Kachelmann: Ein von ihr benannter Gutachter wurde von dem Vergewaltigungsprozess ausgeschlossen. Es bestünden Zweifel an der Unparteilichkeit des Sachverständigen, so das Gericht.

DPA

Mannheim - Bernd Brinkmann war der Trumpf der Verteidigung im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann. In seinem Gutachten hatte der Rechtsmediziner aus Münster noch vor Verfahrensbeginn geschrieben, dass sich das mutmaßliche Opfer seine Verletzungen selbst zugefügt haben könnte - um eine Vergewaltigung vorzutäuschen. Als Belege führte er Fotos von Blutergüssen an, die auf dem Computer der Frau gefunden wurden. Brinkmann sprach von "Selbststudien" der Frau, um herauszufinden, wie Hämatome entstehen.

Nun lehnte das Landgericht Mannheim den Sachverständigen überraschend als befangen ab. Es bestünden Zweifel an der Unparteilichkeit des Experten, begründete der Vorsitzende Richter Michael Seidling die Entscheidung am Mittwoch. Brinkmann wird nun nicht mehr gehört und hat kein Fragerecht mehr, sein Gutachten ist von dem Verfahren ausgeschlossen.

Nach Auffassung der Richter ist es möglich, dass die blauen Flecken des mutmaßlichen Opfers Teil der sado-masochistischen Praktiken zwischen Kachelmann und seiner langjährigen Freundin waren. Das habe Brinkmann bei seinen Schlussfolgerungen überhaupt nicht in Betracht gezogen, sondern sich auf die These der Selbstverletzung beschränkt, sagte Seidling. Er warf Brinkmann eine "Überbetonung des eigenen Standpunkts" vor. Deshalb sah es das Gericht als berechtigt an, dass die Staatsanwaltschaft seiner Unbefangenheit misstraute.

Ein herber Rückschlag für die Verteidigung, da den Gutachtern eine besondere Bedeutung zukommt in diesem Verfahren, in dem Aussage gegen Aussage steht, es keine Zeugen und kaum Beweise gibt.

Kachelmann muss sich seit Anfang September vor Gericht verantworten. Der 52-jährige Wetterexperte soll in der Nacht zum 9. Februar seine inzwischen 37-jährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Der Schweizer beteuert seine Unschuld.

"Der Beckenbauer der Rechtsmedizin"

Die Verteidigung kritisierte die Ablehnung des Gutachters am Mittwoch mit deutlichen Worten. "Brinkmann ist für die Rechtsmedizin so etwas wie Beckenbauer für die Fußballwelt", betonte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock. Brinkmann sei seit Jahrzehnten einer der führenden Experten der Rechtsmedizin in Deutschland und bekannt für sein klares Urteil. "Am Inhalt des Gutachtens geht kein Weg vorbei", kritisierte Birkenstock.

Der Verteidiger beantragte eine Unterbrechung der Hauptverhandlung und will nun einen neuen Befangenheitsantrag gegen die Richter prüfen. Ein erster Versuch zum Auftakt des Verfahrens war gescheitert.

In den vier Wochen seit Prozessbeginn wird vor allem hinter verschlossenen Türen verhandelt. Am Mittwoch wurden zwei Ex-Freundinnen Kachelmanns unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen: eine 37 Jahre alte verheiratete Lehrerin und eine 33-jährige Meteorologin und Moderatorin. Schon bei der Befragung der Eltern des mutmaßlichen Opfers und anderer ehemaliger Geliebten waren Besucher und Pressevertreter vor die Tür gebeten worden.

Am Montag soll der Prozess fortgesetzt werden. Das Gericht entscheidet dann, ob die Verhandlung unterbrochen wird. Ansonsten stehen weitere Vernehmungen von Ex-Freundinnen an. Für den 13. Oktober ist die Aussage des mutmaßlichen Opfers geplant. Auch hier wird mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit gerechnet.

bac/siu/dapd/dpa



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