Kachelmann-Prozess Heftiger Streit um Schweizer Zeugin

Haben "Focus" und "Bild am Sonntag" eine Zeugin aus der Schweiz bezahlt, die behauptet, Jörg Kachelmann habe ihr Gewalt angetan? Davon ist der Verteidiger des Moderators überzeugt. Er beantragte, die Chefredakteure beider Printmedien sollten die Vereinbarung vorlegen.

Anwalt Schwenn, Mandant Kachelmann: Neuer Schlagabtausch mit der Staatsanwaltschaft
DPA

Anwalt Schwenn, Mandant Kachelmann: Neuer Schlagabtausch mit der Staatsanwaltschaft


Mannheim - Zwei Wochen war Pause im Prozess gegen Jörg Kachelmann. Johann Schwenn scheint, in dieser Zeit neue Energie getankt zu haben: Am Montag ging der Verteidiger des Wettermoderators Jörg Kachelmann in die Vollen und erhob erneut den Vorwurf der Zeugenbezahlung durch das Nachrichtenmagazin "Focus" und "Bild am Sonntag".

In beiden Blättern waren Anfang März detaillierte Berichte über die angebliche Aussage der Schweizer Zeugin veröffentlicht worden. Danach berichtete die Frau von angeblich brutalen Übergriffen Kachelmanns. Schwenn vermutet, dass die Frau von den Presseorganen Geld bekam.

Schwenn beantragte vor dem Landgericht Mannheim, die Chefredakteure beider Printmedien sollten die Vergütungsvereinbarung mit der Schweizer Zeugin vorlegen. Falls diese den Vertrag nicht vorlegten, müssten die Redaktionsräume durchsucht werden.

Die Frau war am 15. Februar 2011 in Zürich im Rahmen der Rechtshilfe vernommen worden. Sie soll nach Angaben der beiden Medienorgane ausgesagt haben, dass Kachelmann bei einem Treffen in ihrer Wohnung geschlagen, am Hals gepackt und an den Haaren gezogen hätte. Der behauptete Vorfall soll sich rund drei Wochen vor der angeblichen Vergewaltigung in Schwetzingen ereignet haben, wegen der Kachelmann sich vor dem Landgericht Mannheim verantworten muss.

Hat die Zeugin ein "wirtschaftliches Interesse"?

Die Vernehmung der Zeugin erfolgte im Rechtshilfeverfahren, weil sie nicht vor einem deutschen Gericht erscheinen wollte. Sie hatte dabei beantragt, dass bei der Verlesung ihres Aussageprotokolls in Mannheim die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden solle, um ihre Intimsphäre zu schützen. Die Strafkammer des Landgerichts war dem Antrag gefolgt. Dennoch erschienen wenige Wochen später Berichte mit detaillierten Angaben über ihre angebliche Aussage.

Schwenn hält die Frau selbst für die Informantin. Sie habe ein "wirtschaftliches Interesse", sagte er. Sie habe den Ausschluss der Öffentlichkeit nicht zum Schutz ihrer Intimsphäre beantragt, sondern weil sie "in Wahrheit nur ein Geschäft machen will."

Die Strafkammer stellte die Entscheidung über den Beweisantrag zurück. Zunächst wurde eine frühere Freundin Kachelmanns unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

jjc/dapd

insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
Berlinger, 21.03.2011
1. Dampf machen!
Anwalt Schwenn soll diesem Provinzgericht nur ordentlich Dampf machen! Es ist schlicht unglaublich, was sich erstens das Gericht und zweitens die Springer- und Burda-Presse erlauben. Das muss ein Nachspiel haben.
bunterepublik 21.03.2011
2. Gott sei Dank...
...ist dieser Prozeß angesichts der Vorkommnisse der letzten Wochen komplett uninteressant geworden....
Elektrikern, 21.03.2011
3. Kachelman Festspiele im remake...
Zitat von sysopHaben "Focus" und "Bild am Sonntag" eine Zeugin aus der Schweiz bezahlt, die behauptet,*Jörg Kachelmann habe ihr Gewalt angetan? Davon ist der*Verteidiger des Moderators überzeugt. Er beantragte, die Chefredakteure beider Printmedien sollten die Vereinbarung vorlegen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,752194,00.html
dann die Guttenberg Festspiele im remake, dann die Super GAU, dann die Ghadaffi Festspiele nochmal, und weils so schön war, dann nocheinmal und nocheinmal...
jujo 21.03.2011
4. Kachelmann
Egal wer was getan oder geagt hat, nach meinem Empfinden kann da nur ein Freispruch mangels Beweisen herauskommen!
Bananenblau 21.03.2011
5. Nöööö...
Zitat von jujoEgal wer was getan oder geagt hat, nach meinem Empfinden kann da nur ein Freispruch mangels Beweisen herauskommen!
...bin ganz anderer Ansicht: meiner Meinung nach kann da nur eine Verurteilung aufgrund der erdrückenden Indizienlage heraus kommen. Die Aktionen von Schwenn wirken immer verzweifelter - so tritt kein souveräner, unschuldiger Mensch auf. So tritt jemand auf, dem das Wasser bis zu den Ohren steht.
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