Kachelmann-Verteidiger Birkenstock Überraschender Abgang eines Anwalts

Damit hatten die wenigsten gerechnet: Knapp drei Monate nach Beginn der Verhandlung wechselt der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann die Verteidigung. Sein Anwalt Reinhard Birkenstock ist nicht mehr dabei - gerade jetzt tritt der Prozess in die entscheidende Phase.
Wettermoderator Kachelmann (Mitte), Anwälte Birkenstock (l.), Schroth: Abrupter Wechsel

Wettermoderator Kachelmann (Mitte), Anwälte Birkenstock (l.), Schroth: Abrupter Wechsel

Foto: Ronald Wittek/ picture alliance / dpa

Jörg Kachelmann

Mannheim - Die Überraschung ist perfekt: Knapp drei Monate nach Beginn der Verhandlung vor dem Landgericht Mannheim bekommt der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator einen neuen Anwalt. "Ich habe der 5. großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim heute angezeigt, dass ich nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann bin", erklärte der Kölner Jurist Reinhard Birkenstock am Montagabend. Auch Kachelmanns zweiter Rechtsvertreter, Klaus Schroth, wird sein Mandat nicht weiter wahrnehmen.

Kurz vor dem Ende einer zweiwöchigen Verhandlungspause steht der Prozess damit vor einem tiefen Einschnitt. Gerade Birkenstock vertrat Kachelmann seit dem Ermittlungsverfahren mit großem Engagement. Im Team der Verteidiger gab der 65-Jährige den Ton an. Er war es, der in den Verhandlungspausen mit den Fernsehteams sprach. Es schien, als sei ihm der Fall eine Herzensangelegenheit.

Zu den Hintergründen der Trennung äußerte sich Birkenstock nicht. Die Verteidigerin Andrea Combé bleibt dagegen ebenso im Amt wie Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker. Wie Höcker SPIEGEL ONLINE sagte, wird der Hamburger Jurist Johann Schwenn die Verteidigung gemeinsam mit Combé in dem Verfahren weiterführen, das vom Landgericht Mannheim bis Ende März 2011 terminiert wurde.

Prozess tritt in entscheidende Phase

Die Nachricht, dass Kachelmanns bisherige Verteidiger Birkenstock und Schroth nun nicht mehr mit von der Partie sind, überrascht vor allem, weil der Prozess an diesem Freitag in die entscheidende Phase tritt. Denn nun sollte die Anhörung der Sachverständigen beginnen, angefangen mit dem Berliner Gerichtspsychiater Hans-Ludwig Kröber, der sich laut Auftrag des Gerichts vor allem mit dem Heidelberger Traumatologen Günter Seidler auseinandersetzen sollte.

Seidler ist bis heute der Therapeut der angeblich Geschädigten. Überzeugt davon, dass die strittige Vergewaltigung stattgefunden hat, attestierte er der Frau eine schwere Traumatisierung. Damit sollte ihre lückenhafte Aussage zum angeblichen Tatgeschehen erklärt werden.

Im Anschluss sollten sich rechtsmedizinische Gutachter zu der Frage äußern, ob Hämatome, wie sie die Belastungszeugin am 9. Februar aufwies, als sie in der Heidelberger Uni-Klinik untersucht wurde, von der behaupteten Vergewaltigung in der Nacht davor stammten - oder ob sie von der Zeugin selbst verursacht wurden.

Vor allem Birkenstock hatte vom Beginn des Ermittlungsverfahrens an immer wieder versucht, die Beschuldigungen der Frau, die mit Kachelmann elf Jahre lang ein Verhältnis gehabt hatte, durch Gutachten ausgewiesener Sachverständiger ad absurdum zu führen. Er hatte eine ganze Expertenriege - Rechtsmediziner, Psychologen, Hirnforscher und Spurensachverständige - zusammengebracht, die Kachelmanns Beteuerungen, er sei unschuldig, untermauern sollten.

Jetzt kommt es auf den Nachfolger an

Kein Wunder, denn im Fall "Aussage gegen Aussage" fehlen üblicherweise sonstige Indizien. Und Zeugen gibt es für eine Tat, wenn sie sich denn im heimischen Schlafzimmer abgespielt haben sollte, ebenfalls nicht. Nun allerdings geht der Initiator der Gutachterschlacht von Bord.

Der abrupte Wechsel könnte auch Folgen für den Anwalt selbst haben. Werden Sachverständige von einem Verteidiger als präsente Beweismittel in einem Strafverfahren gestellt, trägt die Kosten dafür erst einmal der Rechtsvertreter. Birkenstock hatte nach der Festnahme Kachelmanns in kürzester Zeit die namhaftesten Experten Deutschlands zu Stellungnahmen auf ihren jeweiligen Fachgebieten beauftragt. Die Kosten dafür dürften beträchtlich gewesen sein und sich im Lauf der Hauptverhandlung noch um einiges erhöht haben. Fragt sich nun, ob Birkenstock auf diesen Kosten sitzenbleibt.

Vieles kommt jetzt auf seinen Nachfolger an. Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn kennt immerhin das Verfahren. Er hatte in den vergangenen Monaten keinen Hehl aus seiner Kritik an dem Kölner Kollegen gemacht und immer wieder durchblicken lassen, dessen konziliante, gesprächsbereite Haltung im Umgang mit der Mannheimer Kammer nicht für angebracht zu halten.

Ob eine aggressivere Auseinandersetzung der Verteidigung mit den Richtern für den Angeklagten im weiteren Verlauf von Vorteil ist und wie die Kammer auf einen "scharfen Hund" reagiert, ist noch längst nicht ausgemacht.

Mit Material von dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.