Ermittler Angreifer in US-Kirche war »aufgebracht über politische Spannungen zwischen China und Taiwan«

Ein Toter und fünf Verletzte waren bei einer Attacke auf ein Gotteshaus in den USA zu beklagen. Nach Angaben der Polizei steckt hinter der Tat ein politisches Motiv.
Polizisten beim Einsatz in Laguna Woods (am 15. Mai)

Polizisten beim Einsatz in Laguna Woods (am 15. Mai)

Foto: RINGO CHIU / AFP

Der Schusswaffenangriff auf eine von Taiwanesen frequentierte Kirche im US-Bundesstaat Kalifornien hat nach Einschätzung der Ermittler einen politischen Hintergrund. Bei dem Angreifer habe es sich um einen Einwanderer aus China gehandelt, der »aufgebracht über die politischen Spannungen zwischen China und Taiwan« gewesen sei, sagte der Sheriff des Bezirks Orange County, Don Barnes, am Montag vor Journalisten. »Das war ein politisch motivierter Hassvorfall.«

Der 68-jährige Angreifer hatte am Sonntag in einer Kirche in der Stadt Laguna Woods rund 70 Kilometer südöstlich von Los Angeles, wo sich eine taiwanische Gemeinde traf, das Feuer eröffnet. Er tötete einen Menschen und verletzte fünf weitere, bevor er von Kirchengängern überwältigt und gefesselt werden konnte.

Dem in Las Vegas im an Kalifornien angrenzenden Bundesstaat Nevada lebenden Mann werden Mord und fünffacher Mordversuch zur Last gelegt. Er handelte nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen allein. Der Mann lebt nach Angaben von Sheriff Barnes schon »seit vielen Jahren« in den USA und hat die US-Staatsbürgerschaft.

Die demokratische Kongressabgeordnete Katie Porter, die den Sitz für Orange County im Repräsentantenhaus in Washington innehat, sprach von »erschütternden und beunruhigenden Nachrichten«. Sie fügte hinzu: »Dies sollte nicht unsere neue Normalität sein.«

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen zwischen China und Taiwan verschärft. Die Regierung in Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll – notfalls mit militärischer Gewalt.

Aufarbeitung in Buffalo läuft

Die Schusswaffenattacke in Laguna Woods hatte sich einen Tag nach einem rassistisch motivierten Angriff im Bundesstaat New York mit zehn Toten ereignet. Am Samstag hatte in der Stadt Buffalo ein 18-Jähriger vor und in einem Supermarkt mit einem Sturmgewehr das Feuer eröffnet. Er tötete zehn Menschen und verletzte drei weitere. Der weiße Angreifer wurde von der Polizei festgenommen.

Er war bereits in der Vergangenheit wegen »allgemeiner Drohungen« ins Visier der Behörden geraten. Der 18-Jährige soll Verfasser eines im Internet veröffentlichten rassistischen »Manifests« sein. Am Dienstag wird US-Präsident Joe Biden nach Buffalo reisen.

jok/AFP