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28. September 2016, 19:19 Uhr

USA

Polizei erschießt erneut unbewaffneten Schwarzen - diesmal in Kalifornien

Erneut haben Polizisten in den USA einen unbewaffneten Schwarzen erschossen. In der Stadt El Cajon nahe San Diego formieren sich Proteste.

Die Serie von Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten reißt nicht ab. Schon wieder ist ein Schwarzer von US-Polizisten erschossen worden - und schon wieder war das Opfer unbewaffnet. Der Vorfall ereignete sich in El Cajon in Südkalifornien, 25 Kilometer von San Diego entfernt.

Berichten zufolge soll die Schwester des Getöteten die Polizei um Hilfe gerufen haben, weil ihr Bruder außer sich war und auf der befahrenen Straße umherlief. Beamte stellten den Mann anschließend hinter einem Restaurant. Laut Polizei hatte sich der Mann merkwürdig verhalten und sich den Anweisungen der Beamten widersetzt, seine Hand aus der Hosentasche zu nehmen.

Die Beamten hätten versucht, mit dem Mann zu sprechen. Er habe plötzlich einen Gegenstand aus seinen Hosentaschen gezogen und damit auf die Polizisten gedeutet. Es habe so ausgesehen, als ob er auf die Beamten habe schießen wollen.

Einer der Beamten habe versucht, den Mann durch einen Taser außer Gefecht zu setzen, sei damit aber gescheitert. Anschließend habe ein anderer Beamter mehrfach scharf geschossen, teilte die Polizei mit. Mit was für einem Gegenstand der Mann auf die Beamten gedeutet haben soll, verriet sie nicht.

In einem Facebook-Video ist zu hören, wie sich eine Augenzeugin gegenüber der Polizei äußert: "Ich sagte: 'Nimm deine Hand aus der Tasche, Baby, oder sie werden dich erschießen.'" Die Frau sagte, der Mann habe etwas in der Hand gehabt, dies sei aber keine Schusswaffe gewesen.

Untersuchung angekündigt

Der örtliche Polizeichef kündigte eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an. "Das wird von mehreren Leuten geprüft werden - und nicht nur von unseren eigenen", sagte er.

An der Stelle des Vorfalls versammelten sich kurz danach mehrere Dutzend Demonstranten, die der Polizei vorwarfen, ohne Grund auf den Afroamerikaner geschossen zu haben. Die Proteste blieben friedlich.

Der Tod von Schwarzen durch Polizeigewalt hat quer durch die USA in den vergangenen Jahren immer wieder wütende und teilweise gewalttätige Proteste ausgelöst. Zuletzt führte der Tod des 43-jährigen Keith Lamont Scott in Charlotte im Bundesstaat North Carolina zu Unruhen.

jal/dpa/AP/Reuters

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