Tod im Auto Sechs Polizisten erschießen Schwarzen

In Kalifornien haben sechs Polizisten auf einen Rapper geschossen, der schlafend in seinem Auto gesessen haben soll. Der 20-Jährige starb, die Hinterbliebenen gehen von einer rassistisch motivierten Tat aus.

Polizeiwagen im kalifornischen Vallejo (Archivbild)
Getty Images

Polizeiwagen im kalifornischen Vallejo (Archivbild)


Im kalifornischen Vallejo ist ein schwarzer Musiker unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen. Wie US-Medien berichten, wurde Willie McCoy am Samstag gegen 22.30 Uhr Ortszeit von Polizisten erschossen, als er schlafend in seinem Auto lag.

Der 20-Jährige hatte den Berichten zufolge seinen Wagen vor einer Taco-Bell-Filiale geparkt. Mitarbeiter des Schnellimbisses alarmierten die Polizei und erklärten, ein Mann sei hinter dem Steuer eines Mercedes' zusammengesackt. Sechs Polizisten sollen sich daraufhin dem Fahrzeug genähert und McCoy darin entdeckt haben. Er habe mit einer Waffe im Schoß bei laufendem Motor und abgeschlossenen Türen in seinem Auto gesessen und sei nicht ansprechbar gewesen, hieß es in einer Stellungnahme der Polizei.

Als er sich plötzlich bewegt habe, hätten die Polizisten ihn aufgefordert, die Hände zu heben, McCoy aber habe nach der Waffe gegriffen. "Aus Sorge um ihre eigene Sicherheit feuerten die Officer mehrfach auf den Fahrer", so die Polizei. Alle sechs sollen geschossen haben, wie viele Schüsse insgesamt abgegeben wurden, ist nicht bekannt.

"Polizei ist nicht Richter, Jury und Henker in einem"

McCoy erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen. Die Familie des Rappers, der den Künstlernamen Willie Bo nutzte, betonte, dass McCoy die Polizisten keineswegs bedroht, sondern geschlafen habe. Die Polizei habe aus rassistischen Motiven gehandelt.

"Es wurde nicht versucht, die Situation friedlich zu lösen", sagte der ältere Bruder Marc McCoy, dem britischen "Guardian". Es sei Aufgabe der Polizei, Gesetzesbrecher festzunehmen, aber nicht, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. "Sie sind nicht Richter, Jury und Henker in einem. Wir werden das nie verwinden."

In der Stadt Vallejo, rund 48 Kilometer nordöstlich von San Francisco, kommt es immer wieder zu brutalen Übergriffen von Polizisten auf Schwarze. Im Jahr 2017 wurde ein Video öffentlich, in dem zu sehen ist, wie ein Officer einem Schwarzen mehrfach ins Gesicht schlägt. Bei einer anderen Festnahme soll ein Polizist mit einer Taschenlampe oder einem Stock auf einen Afroamerikaner eingeschlagen haben. Und erst im vergangenen Monat soll ein Polizist auf einen ehemaligen Soldaten losgegangen sein, als dieser die Festnahme seines Cousins mit seinem Handy aufnahm.

"Niemand vertraut der Polizei in Vallejo", sagte nun auch McCoys Cousin, David Harrison. "Wir werden ins Visier genommen. Die Polizei fährt eine Kampagne gegen Schwarze, die in ein bestimmtes Profil passen."

Im Jahr 2015 töteten Polizisten in Oakland unter ähnlichen Umständen einen Schwarzen, der in seinem Auto das Bewusstsein verloren hatte. Die Hinterbliebenen erhielten 1,2 Millionen Dollar Abfindung.

McCoys Familie will jetzt die beteiligten Polizisten zur Rechenschaft ziehen. "Wir können nicht verstehen, warum sie ihn erschießen mussten", so Harrison. Es sei vollkommen sinnlos, einen schlafenden Mann in seinem Auto zu töten. "Wir wollen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert."

ala



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