Kalifornien Todeskandidat soll mit Schlafmittel hingerichtet werden

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre Michael Angelo Morales jetzt tot. Doch kurz vor seiner Hinrichtung im Todestrakt von San Quentin kamen zwei Ärzten, die bei der Exekution hätten anwesend sein müssen, moralische Bedenken. Um den Mann zu töten, gibt es eine Alternative - die noch nie erprobt wurde.


San Quentin - Ohne die beiden Mediziner konnte die Hinrichtung so, wie sie vorgesehen war, nicht durchgeführt werden. Ein Bundesrichter hatte in der vorigen Woche verfügt, dass mindestens ein Narkosearzt bei der Hinrichtung von Michael Angelo Morales anwesend sein müsse. Der Mediziner sollte bestätigen, dass Morales unter Narkose steht, bevor ihm der tödliche Giftcocktail verabreicht würde. Ein zweiter Anästhesist sollte zur Sicherheit bereitstehen. Beide Ärzte weigerten sich jedoch und verließen den Todestrakt.

Todeskandidat Morales: Ärzten kamen moralische Bedenken vor Hinrichtung
AP/ California Department of Corrections

Todeskandidat Morales: Ärzten kamen moralische Bedenken vor Hinrichtung

In einer Stellungnahme teilten die Mediziner mit, die richterliche Anordnung beinhalte, dass sie hätten eingreifen müssen, wenn Morales Anzeichen von Schmerzen gezeigt hätte oder aufgewacht wäre. "Ein solches Eingreifen wäre medizinisch absolut unethisch", zitiert die "Los Angeles Times" aus dem Statement, "und deswegen haben wir uns entschieden, uns an dem Geschehen nicht zu beteiligen."

Die Entscheidung des Richters erlaubt jedoch noch ein zweite Methode, Morales hinzurichten. Ziel seiner Verfügung war es sicherzustellen, dass der Todeskandidat bei der Exekution keine Qualen leiden muss. Entweder müsse ein Arzt anwesend sein und gegebenenfalls eingreifen, oder Morales solle mit einer Überdosis Schlafmittel hingerichtet werden. Letztere Möglichkeit soll nun - zum ersten Mal in der Geschichte der US-Justiz - zur Anwendung kommen. Heute Abend um 19.30 Uhr Ortszeit sollen Morales fünf Gramm Natriumpentothal verabreicht werden. Nach Angaben der "Los Angeles Times" dauert das Sterben so mehr als vier Mal so lange wie nach Injektion einer Giftspritze: 45 statt elf Minuten.

Die Henker stehen unter Zeitdruck: Sollte das Todesurteil heute nicht mehr vollstreckt werden, wird es juristisch noch komplizierter. Ein Sprecher des Staatsgefängnisses von San Quentin sagte, die gesetzliche Frist zur Hinrichtung von Morales laufe um Mitternacht ab. Danach müssten die Behörden von dem Richter, der 1983 das Todesurteil sprach, einen neuen Vollstreckungsbefehl erwirken. Dies könnte sich jedoch als schwierig erweisen, da Richter Charles McGrath sich kürzlich bei Gouverneur Arnold Schwarzenegger für eine Begnadigung des Verurteilten eingesetzt hatte. Zur Begründung sagte er, er halte einen Informanten nicht länger für glaubwürdig, dessen Aussage mit dafür entscheidend war, dass Morales in der Todeszelle landete.

Der Verurteilte hat gestanden, ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Der heute 46-Jährige hatte sein Opfer Terri Winchell 1981 zunächst in seinem Auto mit einem Gürtel gewürgt, ihr dann mehrmals mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und sie in ein Feld gezerrt. Dort vergewaltigte er das Mädchen. Schließlich stach er Terri vier Mal mit einem Messer ins Herz. Morales begründete die Tat im Prozess mit Drogen- und Alkoholkonsum.

Friederike Freiburg



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