Kampf gegen Kinderpornografie 5000 Tatverdächtige aus 106 Staaten ermittelt

Im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet gelang dem baden-württembergischen Landeskriminalamt ein spektakulärer Schlag. Knapp eine Million Computeradressen werteten die Fahnder aus - und spürten 5000 Tatverdächtige auf. Mehrere Männer wurden festgenommen.


Stuttgart - Alleine in Deutschland seien über 700 Personen identifiziert worden, die kinderpornografische Dateien im Internet abgerufen und angeboten hatten, sagte LKA-Präsident Klaus Hiller. Es kam bereits zu mehreren Festnahmen. "Dieser Erfolg bestärkt uns in unserer Aufgabe, konsequent gegen Kriminelle im Internet vorzugehen", sagte Hiller. "Wir dürfen den Kampf gegen Kinderpornografie nicht aufgeben."

Auslöser des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft Konstanz war die Strafanzeige eines in Baden-Württemberg ansässigen Internetdienstanbieters. Dessen Internetforen waren zum Tausch von hunderten kinderpornografischen Dateien benutzt worden. Es habe sich um eine allgemein zugängliche Plattform gehandelt, bei der jeder Foren einrichten oder in bereits bestehende Foren Wortbeiträge, Bilder oder Filme für andere zur Verfügung habe stellen und verwalten können. Zum Teil waren auf den Bildern Missbrauchshandlungen an Säuglingen und Kleinkindern abgebildet, wie Hiller berichtete.

Insgesamt wurden Verdächtige aus 106 Nationen ermittelt. Die deutschen Fahnder leiteten ihre Daten an die entsprechenden ausländischen Kollegen weiter: Allein in die USA wurden 27 Aktenordner an Beweismaterial versandt. Außerdem war aus Großbritannien, Russland, Frankreich, Kanada, Italien, Niederlande, Australien, Spanien und Belgien in hohem Maß auf die Internetforen zugegriffen worden. In Spanien wurden über 60 Tatverdächtige festgenommen, in Australien wurden 70 und in Neuseeland 28 Tatverdächtige identifiziert, sagte LKA-Präsident Hiller.

Über Jahre andauernde Kindesmissbrauchshandlungen seien beendet und Produzenten von Kinderpornografie ermittelt worden, so Hiller. Ein 32-jähriger aus dem Kreis Kamenz in Sachsen habe mehrere sexuelle Missbrauchstaten an Kindern und Jugendlichen gestanden. Bei dem Mann seien 39.000 Bilddateien mit kinderpornografischen Abbildungen und eine Vielzahl von CDs und DVDs mit selbst aufgenommenen Kinderpornos sichergestellt worden.

Der Mann sitzt nach Aussage von LKA-Chef Hiller in Untersuchungshaft. Ein 35-jähriger Mann, der berufsbedingt Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen nach sexuellem Missbrauch betreute, geriet ebenfalls in das Visier der Fahnder. Bei ihm seien Bilder mit gequälten Säuglingen sichergestellt worden.

pad/AP/dpa



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