Kampf mit Thomas Wolf Entführungsopfer drückte mit Schreckschusspistole ab

Zehn Stunden war sie in der Gewalt von Thomas Wolf: Nun hat eine 45-jährige Bankiersfrau im Prozess gegen den Schwerverbrecher ausgesagt. Die Zeit mit dem Entführer sei "die Hölle" gewesen - der Versuch, ihren Peiniger zu erschießen, misslang.

Angeklagter Wolf, Anwalt Joachim Bremer: Entführungsopfer hatte Todesangst
DPA

Angeklagter Wolf, Anwalt Joachim Bremer: Entführungsopfer hatte Todesangst


Wiesbaden - "Ich hatte Todesangst", sagte das Entführungsopfer von Schwerverbrecher Thomas Wolf am Mittwoch vor dem Landgericht in Wiesbaden. Die Zeit in der Gewalt des 58-Jährigen sei für sie "die Hölle" gewesen. so die 45-Jährige. Wolf muss sich wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten. Er hat die Entführung vor Gericht bereits gestanden. Die Bankiersfrau tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf.

Wolf habe am 27. März 2009 am Hauseingang geklingelt und sie nach dem Öffnen überwältigt, sagte die Frau am Mittwoch. Bei der Rangelei mit dem Entführer sei sie an dessen Waffe gekommen. Sie habe ihren Peiniger erschießen wollen. "Ich hielt ihm die Pistole an den Bauch und drückte ab", sagte die 45-Jährige. Es habe sich aber um eine ungeladene Schreckschusspistole gehandelt.

Wolf überwältigte die Frau und entführte sie im Auto. Er fuhr bis ins unterfränkische Schwarzach - insgesamt zehn Stunden war die Frau in Wolfs Gewalt. Am Abend übergab der Ehemann der 45-Jährigen auf einer Fußgängerbrücke über einer Autobahn im Rhein-Main-Gebiet 1,8 Millionen Euro als Lösegeld. Kurz vor der Geldübergabe fesselte Wolf die 45-Jährige an einen Baum. Sie befreite sich später selbst.

Äußerlich sei sie zwar weitgehend unverletzt geblieben, doch sei sie bis heute in psychotherapeutischer Behandlung, berichtete sie: "Mein Leben wird nie wieder so sein wie vorher." Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht an die Entführung denken müsse. Nach der Tat habe sie so stark an Gewicht verloren, dass sie zeitweise nur noch 46 Kilogramm gewogen habe, sagte die Wiesbadenerin.

Da Wolf nicht maskiert gewesen sei und ihr auch seinen Namen und seine Lebensgeschichte erzählt habe, sei sie davon ausgegangen, dass sie den Tag nicht überleben werde. Während ihrer Aussage kämpfte sie mehrmals mit den Tränen.

Wolf steht wegen Entführung und zweifachen Bankraubs vor dem Landgericht. Seine spektakuläre Flucht endete, als ihn die Polizei am 28. Mai 2009 auf der Reeperbahn in Hamburg festnahm. Danach führte er die Ermittler zum Lösegeld, das er in einem Waldstück vergraben hatte.

ulz/dpa/dapd

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duk2500 20.04.2011
1. tapfere Frau!
Tapfere Frau, hat sich wenigstens gewehrt statt wie das sprichwörtliche Lämmlein zur Schlachtbank zu marschieren. Schade, dass es nur eine Schreckschusspistole war.
Jonny_C 20.04.2011
2. Nein....
Zitat von duk2500Tapfere Frau, hat sich wenigstens gewehrt statt wie das sprichwörtliche Lämmlein zur Schlachtbank zu marschieren. Schade, dass es nur eine Schreckschusspistole war.
...war besser für sie. Sonst hätte sie heute wegen Mordes vor dem Gericht gestanden. Wann wurde in Deutschland denn das letzte Mal jemand (außer Polizisten) aus Notwehr freigesprochen ? Ich erinnere an das 8cm Messerchen was ein deutscher Student gegen seinen türkischen Peiniger einsetzte und ihn damit tatsächlich verletzte. Der Student ging für 2 jahre in den Knast, der Angreifer bekam 12.500,- € Schmerzensgeld zugesprochen. Wenn man in DE eine Waffe hat "schiess oder schiess nicht" man ist IMMER der Dumme...... Der Notwehr-Paragraph ist in DE praktisch ausgehebelt. Vor zwei Jahren hat einer meiner Freunde (leider (!) austrainierter Kickboxer) einer jungen Frau bei einem sexuellen Übergriff von 3 Männern geholfen. Zwei mussten danach ins Krankenhaus. Das Gericht verurteilte ihn zu 14 Monaten Gefängnis auf Bewährung wg. "Unverhältnismäßigkeit" der Mittel. (Welcher Mittel ?) Der Zivilprozess wegen Schmerzensgeld gegen ihn läuft noch. Lt. der Angreifer auf die junge Frau "war es doch alles nur ein Spass". Auf die Bilder der blau und grün gequetschten Brüste der jungen Frau ging das Gericht nicht ein....... Die Rippenbrücke und die zertrümmerte Kniescheibe eines Täters seien als schwere Verletzungen zu beurteilen. Geil ! ....und dann wird von Zivilcourage geredet.
steamiron 20.04.2011
3. .
Zitat von Jonny_C...war besser für sie. Sonst hätte sie heute wegen Mordes vor dem Gericht gestanden. Wann wurde in Deutschland denn das letzte Mal jemand (außer Polizisten) aus Notwehr freigesprochen ? Ich erinnere an das 8cm Messerchen was ein deutscher Student gegen seinen türkischen Peiniger einsetzte und ihn damit tatsächlich verletzte. Der Student ging für 2 jahre in den Knast, der Angreifer bekam 12.500,- € Schmerzensgeld zugesprochen. Wenn man in DE eine Waffe hat "schiess oder schiess nicht" man ist IMMER der Dumme...... Der Notwehr-Paragraph ist in DE praktisch ausgehebelt. Vor zwei Jahren hat einer meiner Freunde (leider (!) austrainierter Kickboxer) einer jungen Frau bei einem sexuellen Übergriff von 3 Männern geholfen. Zwei mussten danach ins Krankenhaus. Das Gericht verurteilte ihn zu 14 Monaten Gefängnis auf Bewährung wg. "Unverhältnismäßigkeit" der Mittel. (Welcher Mittel ?) Der Zivilprozess wegen Schmerzensgeld gegen ihn läuft noch. Lt. der Angreifer auf die junge Frau "war es doch alles nur ein Spass". Auf die Bilder der blau und grün gequetschten Brüste der jungen Frau ging das Gericht nicht ein....... Die Rippenbrücke und die zertrümmerte Kniescheibe eines Täters seien als schwere Verletzungen zu beurteilen. Geil ! ....und dann wird von Zivilcourage geredet.
Man muss Hirnamputiert sein um Täter derart zu schützen! Einige beherrschen das Täter- Opfer Spiel sehr gut!
ingoflam 21.04.2011
4. Wem nutzt die Mär vom Superschurken?
Mal ehrlich, ich bin in meinem Bekanntenkreis auch nicht gerade für eine liberale Haltung gegenüber Straftätern bekannt. Doch man sollte die Kirche im Dorf lassen. Herr Wolf hat bei seinen Taten stets nur Scheinwaffen (Bombenattrappen und ähnliches) verwand. Der von ihm angerichtete Schaden konnte daher stets nur ein materieller sein. Es gibt in diesem Land Bänker, die skrupellos unser aller Existenzgrundlage verzocken. Die sind weit gefährlicher. Und dass sie für ihr Tun nicht zur Rechenschaft gezogen werden, beruhigt mich nicht, im Gegenteil. Das uns ausgerechnet Herr Wolf immer wieder als brandgefährlich angedient wird, signalisiert verräterisch, worum es tatsächlich geht: die Unfähigkeit der Ermittler, die Jahre lang einen Mann zum Schwerverbrecher hochstilisierten und mit einer 80 köpfigen Sonderkommission nicht verhaften konnten, während der Gesuchte gemütlich mit dem Hollandrad Tag für Tag an der großen Frankfurter Wache vorbeiradelte. Bleibt die Frage, ob er denn zumindest die große Gerissenheit besitzt, die ihn Ermittler aber auch zahlreiche Internetkommentatoren so gerne unterstellen. Bei keiner seiner Straftaten maskierte er sich! Und bei der letzten Tat, die er offenkundig aus Verzweiflung nach Jahren der Flucht beging, stellt er sich – kein Witz! – dem Entführungsopfer mit seinem richtigen Namen vor (na klar, Vor- und Nachnahme!). Zur Lösegeldübergabe erschien er dann (welch Akt satanischer Schläue) im PKW seiner Lebensgefährtin – natürlich mit original Kennzeichen! Das Opfer konnte ihm einmal die (natürlich ungeladene Gas-)Waffe entreisen, am Ende kann es sich selbst befreien… "Der gefährlichste Verbrecher Deutschlands", was meint die Justiz damit? Dass Mörder harmloser sind als einer, der sich am Geld von Banken und Bänkern vergeht? Und dabei noch gelinde formuliert einfältig agiert? Gefährlich, nur weil die SOKO zu unfähig war ihn zu erwischen? Auch wenn in Internetforen immer wieder von "Täterschutz" und zu großer Milde von Gerichten salbadert wird, kündet das nur von einem: mangelnder Sachkenntnis. Die Realität ist, deutsche Richter verhängen seit ca. Mitte der 1980er Jahre immer härteren Strafen, angefeuert von reißerischen Medienberichten über Einzeltaten (meist Sexualmorde), gedrängt von populistischen Forderungen aus der Politik. Bei der Verhängung von der sog. Sicherheitsverwahrung muss man spätestens seit den 1990er Jahren von einem Missbrauch sprechen. Gottlob hat der europäische Gerichtshof mit seinem absolut richtigen Urteil zur Sicherheitsverwahrung (das die meisten bislang nicht einmal inhaltlich erfasst geschweige denn verstanden haben) dies zumindest in Frage gestellt. Herr Wolf ist, wie es ein Kriminalbeamter mal in einem selten luziden Moment sagte, "als Gangster eigentlich nicht ernst zu nehmen". Für einen wie ihn würde eine ganz normale, überschaubare Haftstrafe vollkommen ausreichen. Aber das Volk braucht "Brot und Spiele". Da muss ein gefäääährlicher Superschurke her, der dann unter dem Jubel der Menge im Circus Maximus des Landgerichtes am besten gevierteilt oder zumindest "für immer weggesperrt" wird. Leute, macht Euch locker. Ihr lebt in einem der sichersten Länder der Erde, wenn nicht gar im sichersten. Bange machen gilt nicht. Das einzige, was man hierzulande (wie in vielen westlichen Staaten) zu fürchten hat, ist der immer weiter zunehmende Zugriff des Staates auf seine Bürger, dem man sich auch durch Wohlverhalten nicht mehr entziehen kann.
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