Verschickung von Leichenteilen Kanadische Polizei sucht Luka Magnotta

Er soll einen Mann getötet und Teile seiner Leiche per Post verschickt haben - unter anderem an die Zentrale der Konservativen Partei Kanadas. Luka Magnotta, 29 Jahre alt, Pornodarsteller, gilt als dringend tatverdächtig. Von ihm fehlt jede Spur.

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Bisher hat sich Luka Magnotta nicht versteckt. Im Gegenteil. Der 29-Jährige, der als Hauptverdächtiger in einem Mordfall gilt, hinterlässt eine Spur in der digitalen Welt. Da sind zunächst jede Menge Fotos: Luka Magnotta in New York, Paris, Moskau und Rom. In sexy Pose am See, im Wald, fast immer in Jeans, dezent geschminkt, mit rosa Schmollmund. Außerdem zahlreiche Facebook-Accounts, eine eigene Website und ein Twitter-Konto.

Doch jetzt ist Magnotta verschwunden. Die kanadische Polizei sucht ihn wegen Mordes.

Am Dienstag ging in der Zentrale der Konservativen Partei in Ottawa ein Paket ein. Auf den Deckel war ein rotes Herz gemalt. Im Innern befand sich ein abgetrennter Fuß im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung, wie Zeugen berichteten. "Es war ein so grauenhafter Geruch, das werden viele von uns nie vergessen", sagte ein Sprecher der Partei.

Dem Sender CTV News zufolge soll dem Paket eine Nachricht beigefügt gewesen sein: Insgesamt seien sechs Leichenteile verschickt worden. Tatsächlich fand man im Ottawa Postal Terminal ein weiteres Paket mit einer Hand darin.

Kurz zuvor hatte die Polizei in Montreal einen verstümmelten menschlichen Torso in einem Koffer entdeckt. Er lag in einem Müllhaufen direkt hinter dem zweistöckigen Backsteinhaus, in dem Luka Magnotta wohnte. In Apartment 208 fanden die Beamten nur noch eine blutverschmierte Matratze mit einem rosa Laken darauf. Vom Mieter fehlte jede Spur.

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Tätersuche in Kanada: Der Fall Luka Magnotta
Der Polizei von Montreal zufolge wurde der Mord auf Video aufgenommen und auf einer Website gepostet. Bei dem Opfer soll es sich um einen Mann handeln. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammen die drei gefundenen Leichenteile von demselben Toten, hieß es von den Ermittlern. Eine DNA-Analyse stehe aber noch aus.

Rendezvous mit einer Serienmörderin?

Doch wer ist Luka Magnotta? Der Mann, der sich selbst als Model, Schauspieler und Pornodarsteller bezeichnet, wurde am 24. Juli 1982 als Eric Clinton Kirk Newman in Scarborough, Ontario, geboren. Laut Informationen der "Ontario Gazette" soll er seinen Namen im Juli 2006 in Luka Rocco Magnotta geändert haben. Im Web firmierte er unter klangvollen Pseudonymen wie Vladimir Romanov oder Mattia Del Santo.

Laut "The Globe and Mail" soll der 29-Jährige in einer Kurzbiografie in einem schwulen Lifestyle-Magazin angedeutet haben, dass er gern Polizist werden würde. "Ich will aber keine Strafzettel ausstellen", so das Zitat. "Ich denke an Sittenpolizei oder Mordkommission."

Zur Web-Legende Magnottas gehört auch das Gerücht, er habe sich mit der kanadischen Serienmörderin Karla Homolka getroffen, die 2005 aus dem Gefängnis entlassen wurde. Magnotta hat eine Verbindung auf seiner Seite immer bestritten. Die Polizei prüft nun, ob es eine Verbindung zwischen beiden gibt.

Auf seiner Homepage beklagt Magnotta sich heftig über Angriffe auf seine Person: "Ich finde das absurd. Warum verwendet jemand so viel Zeit darauf, darüber zu schreiben, wie sehr er jemanden hasst? Heißt das nicht, dass die Person, die du hasst, dich vereinnahmt und damit gewonnen hat? Ist es wirklich Hass, oder ist es Neid, der sich hinter Hass versteckt?"

Auch der offene Umgang mit Homosexualität ist immer wieder Thema auf den Facebook-Seiten, die unter seinem Namen firmieren. Auf einem in Moskau verorteten Account heißt es: "Wenn du schwul oder bisexuell bist, warum solltest du dann mit einer Frau zusammen sein, nur um alle anderen glücklich zu machen? Ich wünsche solchen verlogenen und ängstlichen Leute, dass sie in genau der Hölle leben, die sie sich selbst geschaffen haben. Ihr verdient euch gegenseitig genau wie das Elend, das ihr euch kreiert habt."

Angebliche Tierquälerei

Bevor sein Name im Zusammenhang mit dem Verbrechen genannt wurde, war Magnotta im Internet vor allem als Tierquäler bekannt. Eine Facebook-Gruppe verpasste ihm 2010 den Namen "Vakuum-Katzen-Killer". Den Mitgliedern zufolge soll Magnotta zwei Kätzchen in eine Plastiktüte gesteckt, die Luft herausgesogen und dann den Tieren beim Ersticken zugeschaut haben. Das Video davon stellte er ins Internet. Andere Tierschützer brachten Magnotta in Verbindung mit einem auf YouTube geposteten Video, auf dem ein Kätzchen erst gestreichelt und geküsst und dann einem Python zum Fraß vorgeworfen wird.

"Wir haben 18 Monate damit verbracht, die Polizei vor ihm zu warnen,…und was hat sie getan?", schimpfte eines der Gruppenmitglieder, der Brite Rob Lynn, nach Bekanntwerden des Verbrechens am Mittwoch. Die Polizei kommentierte die Gerüchte um die angeblich von Magnotta verübte Tierquälerei nicht.

Magnotta soll schon 2009 darüber phantasiert haben, wie man sich erfolgreich absetzen und von einem Tag auf den anderen in der Versenkung verschwinden könne. In einem Interview, das im August 2010 auf der Plattform NowPublic veröffentlicht wurde, gibt Magnotta Tipps für Pornodarsteller. Er habe mit 20 Jahren in Los Angeles angefangen, Pornos zu drehen, berichtet er dort. Mehr als ein Dutzend Streifen sollen es gewesen sein, außerdem zahlreiche Magazin-Aufnahmen.

"Du musst dir klarmachen, dass deine Karriere ab 30 vorbei ist", sagt er. "Ich habe einen Plan B für den Moment, in dem die Party vorbei ist."



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