Kaperung vor schwedischer Küste Ostsee-Piraten misshandelten russische Besatzung

Die Piraten gingen mit äußerster Brutalität vor: Auf der Ostsee haben schwedischen Zeitungsberichten zufolge Männer einen Frachter überfallen, Crewmitgliedern Zähne ausgeschlagen und sie mit Gewehrkolben schwer verletzt - nach zwölf Stunden zogen sie wieder ab. Die schwedische Polizei spricht vom ersten Fall von Ostsee-Piraterie der Moderne.

Stockholm/Helsinki - Zwölf Stunden dauerte ihr Martyrium, dann konnten die 15 vorwiegend russischen Besatzungsmitglieder der "Arctic Sea" aufatmen. Die Piraten stiegen wieder in ihr Boot und rauschten davon.

Frachter "Arctic Sea": Von Piraten in der Ostsee gekapert

Frachter "Arctic Sea": Von Piraten in der Ostsee gekapert

Foto: A9999 DB Hasenpusch/ dpa

Acht bis zehn maskierte und bewaffnete Männer hatten den finnischen Frachter, der unter maltesischer Flagge läuft, vor einer Woche um drei Uhr in der Nacht zu Freitag nordöstlich von Öland geentert. Berichten schwedischer Medien zufolge hatten die Piraten das Schiff in einem Schlauchboot abgefangen und sich als Drogenfahnder ausgegeben - auf ihrem Boot soll "Polizei" gestanden haben.

An Bord der "Arctic Sea" sollen sich gewaltsame Szenen abgespielt haben: Die Piraten haben die russischen Besatzungsmitglieder den Berichten zufolge schwer misshandelt - einem Mann sind Zähne ausgeschlagen worden. Die Crew sei außerdem mit Gewehrkolben traktiert worden. Die Piraten sollen gebrochen Englisch gesprochen haben.

Nachdem sie den mit Holz beladenen Frachter systematisch durchsucht hatten, verließen die Gangster das Schiff am Nachmittag wieder - ohne Beute. Die Männer verschwanden spurlos. Die "Arctic Sea" war auf dem Weg von Finnland nach Algerien.

Der Überfall wurde erst jetzt bekannt - es handelt sich nach Aussage des schwedischen Kriminalpolizeichefs um den ersten Pirateriefall im Schweden der Moderne. Schwedens Polizei ermittelt jetzt mit Hochdruck wegen der Schiffskaperung auf der Ostsee. Es wird vermutet, dass Drogengangster hinter der Kaperung standen.

Der zuständige Fahndungschef Ingemar Isaksson bestätigte am Freitag in der Zeitung "Expressen", dass die Reederei des Schiffs einen entsprechenden Bericht bei der russischen Botschaft in Helsinki abgeliefert hat. Die Behörden in Moskau hätten dann die Polizei in Schweden erst nach knapp einer Woche eingeschaltet.

Isaksson erklärte, dass es "noch viele offene Fragen, aber keinen direkten Kontakt mit der Besatzung gibt. Es gibt keinerlei Indizien, dass das ein neuer Trend bei uns sein könnte".

Massiv mit Schiffskaperungen zu kämpfen hat die internationale Schifffahrt derzeit vor den Küsten Somalias in Ostafrika.

anr/dpa
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