Ex-Finanzchef des Vatikans Nach Missbrauchsurteil - Einspruch von Kardinal George Pell zugelassen

Er war zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden, weil er Chorknaben sexuell missbraucht haben soll. Nach einer ersten Niederlage vor einem Berufungsgericht wurde sein Einspruch nun zugelassen.

George Pell
David Crosling/AAP/ DPA

George Pell


Das oberste australische Gericht will sich nun doch mit dem Einspruch des wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilten Kardinals George Pell befassen. Das teilte der High Court in Canberra am Mittwoch mit. Damit kann der 78-Jährige weiterhin auf einen Freispruch hoffen. Mit dem eigentlichen Verfahren wird jedoch frühestens nach der Sommerpause des Gerichts im Februar gerechnet.

Die Anschuldigungen gegen Pell reichen in die Jahre 1996 und 1997 zurück, als er gerade Erzbischof von Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne geworden war. Pell soll zwei 13 Jahre alte Chorknaben sexuell missbraucht haben, einen der Jungen zwang Pell nach Überzeugung des Gerichts zum Oralsex. Er weist die Vorwürfe zurück.

Eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis Heroin gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäußert. Der heute 35-jährige Überlebende war in dem Prozess der entscheidende Belastungszeuge.

Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt

Erst im Frühjahr 2019 war Pell zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Demnach hätte er frühestens im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden können. Er war der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der verurteilt wurde. Pell hatte seit Jahrzehnten hohe Ämter inne. 2014 ernannte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikans, Pell stand damit in der Hierarchie des Kirchenstaats auf Platz drei. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde Pell aus dem Beratungsgremium des Papstes ausgeschlossen.

Vor dem höchsten Gericht des Bundesstaats Victoria scheiterte er im August mit einem Berufungsantrag. Die Entscheidung der drei Richter fiel allerdings nicht einstimmig. Im Anschluss wanden sich Pells Anwälte an das höchste Gericht Australiens, den High Court in Canberra. Sie argumentierten, dass zwei der drei Richter des Berufungsgerichts Fehler gemacht hätten. Die Staatsanwaltschaft bestritt dies.

hba/dpa



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