Prozess in Karlsruhe Landgericht korrigiert Urteil in Staufener Missbrauchsfall

Das Landgericht Karlsruhe hat eine weitere Entscheidung im Missbrauchsfall von Staufen gefällt: Ein 45-Jähriger wurde in dem Revisionsverfahren zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
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Weil er den sexuellen Missbrauch eines Jungen geplant hatte, hat das Landgericht Karlsruhe einen Mann aus Schleswig-Holstein zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Wegen einer schweren Störung der sexuellen Präferenz wird der gelernte Elektriker in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Selbst für Berufsrichter sei der Fall ziemlich grausig, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. Der Prozess stand im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Staufen bei Freiburg, bei dem ein Junge von mehreren Tätern vergewaltigt worden war. Verteidigung und Staatsanwaltschaft erklärten, auf Rechtsmittel gegen das Urteil zu verzichten (Az. 13 Ks 260 Js 37672/17).

Der 45-Jährige aus Reinbek bei Hamburg war im Juni 2018 vom Landgericht zu acht Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf: Es sei nicht ausreichend begründet, warum keine verminderte Schuldfähigkeit vorliege.

Richter: Gefahr für die Allgemeinheit

Aufgrund eines Gutachtens sei in der Verhandlung klar geworden, dass bei dem Mann eine sadistisch geprägte Pädophilie vorliege und dieser vermindert schuldfähig sei, sagte der Richter nun. Er sei gefährlich für die Allgemeinheit.

Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht unter anderem das Geständnis des Mannes und die lange Untersuchungshaft. Außerdem leide der 45-Jährige selbst stark unter seinen Fantasien. Negativ seien mehrere Vorstrafen, die hohe Rückfallgeschwindigkeit nach einer früheren Haftstrafe und die Schwere der geplanten Straftat.

Der Angeklagte hatte den Angaben zufolge 2017 über das Darknet Kontakt zum Lebensgefährten der Mutter des Jungen aufgenommen. Er fragte an, ob er das damals neun Jahre alte Kind missbrauchen und töten könne. Geschnappt wurde er, weil er die Festnahme des Paares aus Staufen nicht mitbekommen hatte. Ein verdeckter Ermittler gab sich als Freund der Mutter aus und lockte den Schleswig-Holsteiner nach Karlsruhe.

Der Missbrauchsfall von Staufen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Mutter eines Jungen und ihr Lebensgefährte hatten das Kind über zwei Jahre lang im Internet zu Vergewaltigungen angeboten und auch selbst missbraucht. Ihre Verurteilungen zu langjährigen Haftstrafen sind bereits rechtskräftig. Insgesamt gab es in dem Fall acht Urteile.

wit/dpa/AFP
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