Katholische Kirche Woelki bittet um Entschuldigung für Gewalt an Heimkindern

Sexuelle Übergriffe, physische und psychische Gewalt: Das war für viele behinderte Kinder und Jugendliche zwischen 1949 und 1975 Alltag in katholischen Heimen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie.

Rainer Maria Woelki (Archiv)
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Rainer Maria Woelki (Archiv)


Die katholische Kirche in Deutschland hat für jahrzehntelange Gewalt und sexuelle Übergriffe gegen Heimkinder in ihren Einrichtungen um Verzeihung gebeten. "Als Vorsitzender der Caritaskommission der Deutschen Bischofskonferenz sage ich ausdrücklich, dass ich die damals in den katholischen Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie ausgeübte physische, psychische und sexuelle Gewalt zutiefst bedaure und die Betroffenen dafür um Entschuldigung bitte", sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Woelki äußerte sich in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zu Heimkindern. Seinen Angaben zufolge entsprach die damals mit bis zu 95 Prozent von christlichen Einrichtungen übernommene Behindertenhilfe nicht dem christlichen Auftrag, Menschen mit Behinderung und psychisch Erkrankte in ihrer Entwicklung zu fördern und ihre Würde zu schützen. Es seien Mittel und Instrumente eingesetzt worden, die dem christlichen Menschenbild und christlichen Wertvorstellungen "zutiefst widersprechen".

Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, bezeichnete die Übergriffe als "beschämenden Teil der Geschichte der Kirche und ihrer Caritas in Deutschland". Nach den Worten der Projektleiterin der Heimkinderstudie, Annerose Siebert, war der Alltag der Heimkinder "durchzogen von Unterordnung, Isolation und Gewalt".

Den Kirchenangaben zufolge lebten von 1949 bis 1975 etwa 30.000 bis 50.000 Kinder und Jugendliche mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen in katholischen Heimen. Für die Studie befragten die Verantwortlichen insgesamt 339 Menschen. Von diesen gaben 70 Prozent an, physische Gewalt erlebt zu haben.

30 Prozent berichteten auch von sexueller Gewalt, 60 Prozent von psychischer Gewalt durch ihre Betreuer. Als Ursachen machte die Studie unter anderem die Überforderung der damals eingesetzten Nonnen und Mönche, fehlende fachliche Kenntnisse, Gewalt fördernde Strukturen und das Fehlverhalten Einzelner aus.

wit/AFP



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udo46 23.06.2016
1.
Es ödet so an. Verbrechen - Entschuldigung -Verbrechen -Entschuldigung .... Aber hat alles nix mit Religion zu tun. Im Übrigen: Im Lichte dieser Studie sollte man vielleicht nochmal das hochgelobte Engagement des Bischofs von Münster in der Nazizeit gegenüber der Euthanasie unter die Lupe nehmen. Glaubt denn jemand ernsthaft, diese Zustände wären vor 1949 andere gewesen?
signumtemporis1 23.06.2016
2. Die letzte Kirche des Zerfalls
Wer die Bibel, insbesondere das Neue Testament, nicht gelesen hat, wird schwerlich einen Unterschied zwischen heuchlerischen Christen im frommen Gewand und echten (im Heiligen Geist) "wiedergeborenen" Christen entdecken können. Diesen modernen Kirchen, die vielfach Irrlehren jenseits des biblischen Textes verbreiten, wird Gottes Gericht zu Seiner Zeit ereilen. Es ist traurig, wie die Urgemeinde zur Zeit des HERRN Jesus Christus heute in so entarteter Form existiert, dass zwischen ihr und der kriminellen Welt fast kein Unterschied mehr zu erkennen ist. Die letzte grosse Rückführung zu Gottes Wort unter der Reformation Martin Luthers, hat sich heute in der Ökumene der Lauheit hingegeben. Und "die Hure Babylon" gemäss der Offenbarung rüstet sich in der Stadt mit den sieben Hügeln zur Welteinheitsreligion auf, mit eben diesen Lästerungen Gottes.
meine Güte 23.06.2016
3. Ich...
... bin auch in der Grundschule St. PaulIn, Privatschule des Bistums, ab 1965 gezüchtigt worden. Mal habe ich eine Lehrerin beim Weintrinken überrascht, mal gab es im Winter beim Schulgottesdienst eine auf die Schnauze weil meine Kapuze des Anoraks schief war, unsere Rektorin saß hinter mir. Auch ist mir ein Vorfall bekannt das ein Lehrer den Sohn einer Zahnärztin so geohrfeigt hat, das er Nasenbluten hatte. Zwei Tage später war der Lehrer "krank" habe ihn nie wieder gesehen Alle namentlich bekannt. Wir, als Kinder von einfachen Menschen mussten alles weitere erdulden. DER BAMBUSROHRSTOCK LAG IMMER IN DER TAFELRILLE!
meine Güte 23.06.2016
4. Ich...
...hatte als Kind Angst zur Schule zu gehen!
meine Güte 23.06.2016
5. Und...
... bin später aus der kath. Kirche ausgetreten.
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