Frankreich Gericht spricht Kardinal der Vertuschung von Kindesmissbrauch frei

Weil er sexuelle Übergriffe durch einen Priester nicht anzeigte, wurde einer von Frankreichs hohen katholischen Würdenträgern verurteilt. Nun ist Philippe Barbarin im Berufungsprozess freigesprochen worden.
Seit dem Schuldspruch in erster Instanz vom März 2019 ließ Philippe Barbarin sein Amt als Erzbischof von Lyon ruhen

Seit dem Schuldspruch in erster Instanz vom März 2019 ließ Philippe Barbarin sein Amt als Erzbischof von Lyon ruhen

Foto: JEFF PACHOUD/ AFP

Kardinal Philippe Barbarin ist von einem französischen Berufungsgericht im Prozess wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen freigesprochen worden. Das Gericht in Lyon kippte die Verurteilung von Barbarin, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichteten.

Einer der Anwälte des Geistlichen begrüßte das Urteil: "Kardinal Barbarin ist unschuldig", sagte er. Das Berufungsgericht folgte mit dem Freispruch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte argumentiert, der 69-Jährige könne nicht persönlich für "Fehler" der katholischen Kirche haften. Der Kardinal hatte zwar persönliche "Irrtümer" eingestanden, aber keine Schuld im juristischen Sinne.

Barbarin zählt zu Frankreichs höchsten katholischen Würdenträgern. Im März vergangenen Jahres war er überraschend zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden, weil er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt habe. Barbarin hatte daraufhin ein Rücktrittsgesuch beim Papst eingereicht und Berufung gegen das Urteil eingelegt. Papst Franziskus lehnte den Rücktritt ab. Barbarin entschied dann, sich für einige Zeit zurückzuziehen, in der Diözese wurde ein Apostolischer Administrator eingesetzt.

Kardinal Barbarin und anderen Geistlichen wurde vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Priester Bernard Preynat nicht weiter verfolgt zu haben. Dieser soll in den Achtzigerjahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht haben.

Im März will ein Gericht sein Urteil in diesem Fall verkünden. Der Fall Barbarin und die Vorgänge in der katholischen Kirche in Lyon wurden jüngst im Film "Grâce à Dieu" (deutscher Titel: Gelobt sei Gott) von François Ozon einem größeren Publikum bekannt.

Anmerkung: In einer früheren Fassung dieser Meldung hieß es, Barbarin sei Frankreichs höchster katholischer Würdenträger, es gibt aber mehrere ihm ähnlich hochgestellte Bischöfe in Frankreich. Darüber hinaus war davon die Rede, dass der Generalvikar die Leitung der Diözese übernommen habe, es wurde aber nur ein Apostolischer Administrator eingesetzt, Barbarin war weiterhin Leiter.

sen/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.