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16. Juni 2010, 19:10 Uhr

Katholische Kirche

Vatikan zerschlägt Mixas Comeback-Hoffnungen

Walter Mixa kämpft mit harten Bandagen: Der frühere Augsburger Bischof drängt zurück in den Kirchendienst. Er wirft Mitbrüdern vor, ihn unter Druck gesetzt zu haben, freiwillig sei er nicht gegangen. Der Vatikan hält eine Rückkehr des 69-Jährigen jedoch für äußerst unwahrscheinlich.

Hamburg - Walter Mixa, der zurückgetretene Bischof von Augsburg, will sein Amt zurück. Er sagte der "Welt", das Rücktrittsgesuch habe er nicht selbst verfasst und nur unter Druck unterschrieben. Drei Tage später habe er es in einem Schreiben an den Papst widerrufen. "Ich wusste in den Tagen weder ein noch aus", sagte Mixa. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer."

Mixa erwägt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof untersuchen zu lassen. Der Vatikan stellte allerdings am Mittwoch diplomatisch formuliert aber doch unmissverständlich klar, dass es eine Rückkehr Mixas auf den Bischofsstuhl nicht geben wird.

"Papst Benedikt XVI. wird Walter Mixa in den kommenden Wochen empfangen", teilte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom mit. "Es ist aber nicht absehbar, dass die Annahme seines Rücktritts zur Diskussion gestellt wird." Auf Radio Vatikan bekräftigte Lombardi später, es sei "nicht anzunehmen, dass die Entscheidung des Papstes noch einmal geändert werde".

Mixa hatte dem Papst Ende April seinen Rücktritt angeboten, nachdem über Prügelstrafen und finanzielle Unregelmäßigkeiten zu seiner Zeit als Pfarrer in Schrobenhausen berichtet worden war. Benedikt hatte am 8. Mai Mixas Rücktrittsgesuch akzeptiert.

Weder Berufung noch Beschwerde möglich

Der Augsburger Diözesanrats-Vorsitzende Helmut Mangold verwies nun darauf, dass Mixas Widerruf dem Papst vorgelegen habe, aber bei dessen Annahme des Rücktrittsgesuchs offenbar keine wesentliche Rolle gespielt habe. Deshalb dürfe der Rücktritt jetzt nicht wieder in Zweifel gezogen werden, sagte Mangold. In dieser Frage gebe es kein Zurück mehr, weil ansonsten die Autorität päpstlicher Entscheidungen beschädigt würde.

Auch die Kirchenrechtlerin Sabine Demel von der Universität Regensburg sieht keine Chance für Mixa. Nach Kirchenrecht "gibt es gegen ein Urteil und ein Dekret des Papstes weder Berufung noch Beschwerde", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk.

Mixa kritisierte in der "Welt" das Verhalten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch, sowie des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx. "Es hätte brüderlicher sein müssen." Die beiden seien "zum Papst geeilt und haben ihm als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhte als auf acht handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz".

"Es ist alles rechtmäßig gelaufen"

Die Reaktion aus München kam am Mittwoch ebenso prompt wie deutlich. Bernhard Kellner, Pressesprecher der bayerischen Bischofskonferenz, betonte auf Anfrage: "Es ist alles rechtmäßig gelaufen." Darüber hinaus gebe es nichts zu sagen. Nicht zuletzt zum Schutz Mixas sehe man davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. "Wir wünschen ihm gute Genesung. Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein erster Schritt", sagte Kellner.

Die Diözese Augsburg wandte sich "ausdrücklich" gegen die Darstellung, den Missbrauchsvorwurf an die Öffentlichkeit gegeben zu haben. Weihbischof Josef Grünwald stellte zugleich klar, dass der Anfangsverdacht des Missbrauchs zum Zeitpunkt der Unterzeichnung von Mixas Rücktrittserklärung noch gar nicht bekannt gewesen sei.

wit/ddp/dpa/apn

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