Keine Hilfe für Essener Rentner Polizei ermittelt Bankkunden

Kunden lassen einen Rentner bewusstlos im Vorraum einer Bank liegen, wenige Tage später stirbt er. Die Essener Polizei hat nun die mutmaßlichen Namen und Anschriften der vier Menschen erhalten, die einfach wegschauten.

Mann stirbt nach medizinischem Notfall - viele Mitmenschen waren einfach weitergegangen
Polizei Essen

Mann stirbt nach medizinischem Notfall - viele Mitmenschen waren einfach weitergegangen


Im Fall des nach unterlassener Hilfeleistung gestorbenen Mannes in einer Essener Bankfiliale hat die Polizei Namen und Wohnorte der infrage kommenden Bankkunden erhalten. Von dem Kreditinstitut habe man eine Liste derjenigen bekommen, mit deren Karten im betreffenden Zeitraum Geldgeschäfte erledigt wurden, sagte Polizeisprecher Christoph Wickhorst.

Die Ermittler gehen davon aus, dass alle auf dem Video zu sehenden Personen mit ihren eigenen Karten am Geldautomaten waren. Die vier würden jetzt zu einer Vernehmung geladen. Der Sprecher vermutete, dass die schriftlichen Ladungen noch am Montag verschickt werden. Den Kunden droht bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe.

Bei den Bankkunden handelt es sich laut Polizei um erwachsene Männer und Frauen. Darunter seien augenscheinlich junge Erwachsene Anfang 30, aber auch ein Kunde, der etwa 60 Jahre alt sei. Bis Montag früh hatte sich noch niemand von sich aus bei der Polizei gemeldet.

Der 82 Jahre alte Mann war am 3. Oktober in Essen in einem Bankvorraum zusammengebrochen. Eine Videoaufnahme zeigt, wie vier Kunden anschließend teilnahmslos vorbeigingen. Erst der fünfte Kunde rief 20 Minuten nach dem Zusammenbruch den Rettungsdienst. Der Mann kam nicht wieder zu Bewusstsein und starb einige Tage später.

Der Tod des Rentners hatte große Bestürzung in Politik und Gesellschaft hervorgerufen. "Ich glaube ganz fest, dass ohne echte Barmherzigkeit keine Gesellschaft letztlich existieren kann", sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) äußerte sich "nachdenklich und betroffen zugleich".

apr/dpa



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