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25. Februar 2014, 17:21 Uhr

Polizeiskandal in Kempten

Verhafteter Drogenfahnder soll Ehefrau schwer verletzt haben

Von , München

1,6 Kilogramm Kokain wurden beim Chef der Kemptener Drogenfahndung sichergestellt. Der 52-Jährige steht zudem unter Verdacht, seine Frau schwer verletzt zu haben - das teilte Bayerns Innenminister Herrmann nun mit. Möglicherweise gehe es sogar um versuchten Totschlag.

Der Mann, der die Kemptener Polizei in eine Vertrauenskrise stürzte und derzeit in Untersuchungshaft sitzt, muss nicht nur wegen eines Drogenfundes mit unbequemen Fragen der Ermittler rechnen. Rund 1,6 Kilogramm Kokain waren bei dem inzwischen suspendierten Chef der Kemptener Drogenfahndung entdeckt worden, als Polizisten die Wohnung und das Büro des Beamten durchsucht hatten.

Es geht in dem Fall aber auch um schwere Körperverletzung - oder sogar mehr: Die Frau des 52-jährigen Polizisten hatte wegen eines Streits mit ihrem Mann am 15. Februar gegen 2.30 Uhr die Polizei alarmiert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach nun bei einer Pressekonferenz von einer "harten Familienstreitigkeit". Die Frau sei "augenscheinlich Opfer schwerer Körperverletzungen" geworden. Inzwischen stelle sich sogar die Frage, ob es sich um versuchten Totschlag handele, sagte der CSU-Politiker.

Den Schilderungen Herrmanns zufolge stoppten Polizisten den 52-Jährigen 20 Minuten nach Auslösung der Fahndung im Straßenverkehr und nahmen ihn fest. In der Folge kam es zu der Durchsuchung, bei der das Rauschgift im Spind des Polizisten gefunden wurde. Woher es stammt, ist noch unklar. Es müsse ermittelt werden, ob die Drogen aus der Asservatenkammer der Polizei stammten, sagte Herrmann. Man könne aber auch nicht ausschließen, dass sich der Beamte das Kokain "auf anderem Wege" beschafft habe.

Drogen werden in der Asservatenkammer aufbewahrt, so lange sie als Beweismittel benötigt werden und erst nach Abschluss eines Strafverfahrens vernichtet.

Der 52-Jährige sitzt inzwischen in der JVA Stadelheim. Ob oder wie er sich zu den Vorwürfen äußert, wollte die Staatsanwaltschaft München nicht mitteilen.

Der Fall werde "umfassend und schonungslos" aufgeklärt, kündigte Herrmann an. Wegen eines möglichen Bezugs zur organisierten Kriminalität wollte der Minister keine weiteren Details zum derzeitigen Ermittlungsstand nennen. In der "Augsburger Allgemeinen" war der Verdacht geäußert worden, der Polizist könnte mit der Mafia zusammengearbeitet haben. Das Allgäu gilt seit Jahren als Hochburg der italienischen Rauschgiftmafia.

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